Expertengremium empfiehlt neue Antibiotika-Strategien gegen resistente Bordetella pertussis
Pertussis oder Keuchhusten ist nach wie vor eine hoch ansteckende Atemwegsinfektion, die durch verursacht wird Bordetella pertussis. Obwohl Pertussis-Impfstoffe seit den 1970er Jahren in Impfprogramme aufgenommen wurden, kam es weltweit aufgrund nachlassender Immunität und bakterieller Entwicklung erneut zu Ausbrüchen. In China ist die Zahl der Fälle seit 2017 dramatisch gestiegen, wobei zwischen Januar und Juli …
Expertengremium empfiehlt neue Antibiotika-Strategien gegen resistente Bordetella pertussis
Pertussis oder Keuchhusten ist nach wie vor eine hoch ansteckende Atemwegsinfektion, die durch verursacht wird Bordetella pertussis. Obwohl Pertussis-Impfstoffe seit den 1970er Jahren in Impfprogramme aufgenommen wurden, kam es weltweit aufgrund nachlassender Immunität und bakterieller Entwicklung erneut zu Ausbrüchen. In China ist die Zahl der Fälle seit 2017 dramatisch gestiegen, wobei zwischen Januar und Juli 2024 mehr als 400.000 Fälle gemeldet wurden. Mittlerweile ist die Resistenz gegen Makrolid-Antibiotika, einst die Erstbehandlung, weit verbreitet und führt zu Therapieversagen. Aufgrund dieser Herausforderungen sind neue klinische Leitlinien erforderlich, um diagnostische Kriterien neu zu definieren, den Einsatz von Antibiotika zu optimieren und Behandlungsstrategien für Keuchhusten bei Kindern zu verbessern.
Ein neuer Expertenkonsens (DOI: 10.1007/s12519-024-00848-5) wurde am 14. November 2024 veröffentlicht Weltjournal für Pädiatrie von Forschern führender Kinderkrankenhäuser und Forschungszentren in ganz China, wie dem Kinderkrankenhaus, der Zhejiang University School of Medicine, dem Beijing Children’s Hospital und dem Chinese Center for Disease Control and Prevention. Der Konsens konsolidiert nationale Daten und multidisziplinäres Fachwissen, um einen standardisierten Rahmen für die Diagnose und Behandlung von Keuchhusten bei Kindern vorzuschlagen. Es bietet aktualisierte Empfehlungen zum Labornachweis, zur Antibiotikaresistenz, zur Behandlung schwerer Fälle und zu Präventivmaßnahmen und hilft Ärzten, das anhaltende Wiederaufleben dieser durch Impfung vermeidbaren Krankheit zu bewältigen.
Der Konsens unterstreicht das sich verändernde epidemiologische Muster von Pertussis, von dem mittlerweile Kinder und Erwachsene im schulpflichtigen Alter betroffen sind und sie zu wichtigen Infektionsquellen für Säuglinge werden. Ein großes Problem ist die Entstehung von Erythromycin-Resistenzen B. pertussis (ERBP), das zwischen 2013 und 2022 fast alle Isolate in China ausmacht. Die Autoren schlagen detaillierte diagnostische Verfahren vor, die klinische Symptome, Polymerasekettenreaktion (PCR) und serologische Tests sowie eine Fallklassifizierung für schwere und Hochrisikopatienten kombinieren. Zur Behandlung empfiehlt das Gremium, Makrolide als Erstlinientherapie abzusetzen, wenn eine Resistenz festgestellt oder vermutet wird. Stattdessen wird für Kinder, die älter als zwei Monate sind, Trimethoprim-Sulfamethoxazol (TMP-SMX) empfohlen, während für Säuglinge unter zwei Monaten oder in schweren Fällen Piperacillin oder Cefoperazon-Sulbactam intravenös empfohlen wird. Zu den Leitlinien gehören auch der therapeutische Plasmaaustausch für Patienten mit Hyperleukozytose, die Sauerstofftherapie bei Atemnot sowie inhaliertes Stickstoffmonoxid oder extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO) bei pulmonaler Hypertonie. Präventive Maßnahmen konzentrieren sich auf frühzeitige ätiologische Tests, Isolierung und Auffrischungsimpfungen, um die Übertragung einzudämmen.
Keuchhusten ist nicht mehr auf Säuglinge beschränkt, sondern tritt zunehmend bei älteren Kindern und Jugendlichen auf, die die Krankheit auf gefährdete Neugeborene übertragen. Unser Konsens zielt darauf ab, Klinikern einen praktischen und evidenzbasierten Fahrplan für Diagnose und Management an die Hand zu geben. Indem wir resistente Stämme erkennen und maßgeschneiderte Antibiotika-Strategien entwickeln, können wir schwere Folgen und die Sterblichkeit bei Kindern deutlich reduzieren.“
Prof. Chun-Zhen Hua, einer der Hauptautoren vom Kinderkrankenhaus der Zhejiang University School of Medicine
Der neue Expertenkonsens bietet eine wesentliche Referenz für Kliniker und Angehörige der Gesundheitsberufe, die Keuchhusten bei Kindern behandeln. Es verbindet Laborerkennung, klinische Bewertung und evidenzbasierte Antibiotikaauswahl und unterstützt so ein frühzeitiges Eingreifen und einen rationalen Arzneimitteleinsatz angesichts zunehmender Resistenzen. Der Rahmen könnte auch als Leitfaden für zukünftige Forschungen zur Keuchhusten-Pathogenese, zur Wirksamkeit von Impfstoffen und zur Antibiotikapolitik dienen. Langfristig sollen die Empfehlungen die nationalen Krankheitskontrollsysteme stärken, die Krankheitslast verringern und zu sichereren pädiatrischen Gesundheitspraktiken in China und darüber hinaus beitragen.
Quellen:
Mi, Y. -M., et al. (2024). Expert consensus for pertussis in children: new concepts in diagnosis and treatment. World Journal of Pediatrics. doi: 10.1007/s12519-024-00848-5. https://link.springer.com/article/10.1007/s12519-024-00848-5