Untersuchungen an der Universität Karlstad zeigen, dass die Exposition gegenüber endokrin wirkenden Chemikalien und unerwünschten Lebensereignissen während der Schwangerschaft das Verhalten und die Gehirnentwicklung von Kindern beeinflussen kann.
„Wir wissen, dass Expositionen in diesem Zeitraum nachhaltige Auswirkungen haben können“, sagt Marlene Stratmann.
„Meine Dissertation „Die Bedeutung der pränatalen Umgebung für die neurologische Entwicklung von Kindern: Epidemiologische Studien zu endokrin wirkenden Chemikalien und Stress“ zeigt, dass Mischungen endokrinschädigender Substanzen, die in Alltagsprodukten enthalten sind, mit Verhaltensproblemen bei Kindern im Alter von sieben Jahren verbunden sein können und dass Jungen und Mädchen auf leicht unterschiedliche Weise betroffen waren“, sagt Marlene Stratmann, Doktorandin für öffentliche Gesundheitswissenschaften an der Universität Karlstad in Schweden. Diese endokrinschädigenden Substanzen können die Plazenta passieren und in kritischen Entwicklungsphasen für das Gehirn den Fötus erreichen.
Die Ergebnisse stammen aus der großen schwedischen SELMA-Studie, in der mehr als 2.000 Mutter-Kind-Paare aus Värmland, Schweden, von der frühen Schwangerschaft bis zum Alter von sieben Jahren beobachtet wurden. Die SELMA-Studie untersucht, wie frühe Umwelt- und Stressfaktoren die Gesundheit und Entwicklung von Kindern beeinflussen können.
Die Verantwortung liegt höher
Es ist unvernünftig, die alleinige Verantwortung für den Verzicht auf diese Substanzen auf schwangere Frauen zu übertragen. Viele Stoffe sind in Produkten enthalten, die Menschen täglich verwenden und auf die sie nicht verzichten können.“
Marlene Stratmann, Doktorandin in Public Health Science, Universität Karlstad
Hier müssen sowohl die Industrie als auch die politischen Entscheidungsträger Verantwortung übernehmen und sicherstellen, dass in Produkten und Umgebungen, denen schwangere Frauen ausgesetzt sind, keine schädlichen Substanzen verwendet werden.
Forschungsergebnisse deuten außerdem darauf hin, dass psychischer Stress und unerwünschte Lebensereignisse während der Schwangerschaft mit Verhaltensfolgen im späteren Kindesalter zusammenhängen, was darauf hindeutet, dass sowohl chemische als auch psychologische Faktoren im pränatalen Stadium die Entwicklung des Kindes beeinflussen.
„Wir wissen, dass die Gehirnentwicklung schon früh im fötalen Leben beginnt und dass Expositionen in dieser Zeit nachhaltige Auswirkungen haben können“, sagt Marlene Stratmann. Endokrin wirkende Chemikalien können das Hormonsystem beeinflussen, das die Gehirnentwicklung steuert. Unsere Forschung zeigt, dass dies möglicherweise mit Verhaltensproblemen bei Kindern im späteren Leben zusammenhängt.
Die Gesundheit von Kindern im Fokus
Untersuchungen zeigen auch, dass der Hormonstatus der Mutter, insbesondere die Schilddrüsenhormone, ein möglicher biologischer Mechanismus sein könnte, der die Auswirkungen der Chemikalienexposition auf die Gehirnentwicklung des Kindes vermittelt.
„Das Erkennen von Zusammenhängen ist ein wichtiger erster Schritt, aber wir müssen auch auf das vorhandene Wissen reagieren. Um die zukünftige Gesundheit von Kindern zu verbessern, müssen Vorschriften und Produktentwicklung so gestaltet werden, dass das Wohl des Kindes im Mittelpunkt steht“, sagt Stratmann.
Ein weiterer Teil des Puzzles ist das Kinderspiel. Forscher beobachteten, dass die Art und Weise, wie Kinder spielen, mit ihrem Verhalten zusammenhängt, was darauf hindeutet, dass frühe Umweltfaktoren sowohl im Verhalten von Kindern als auch in ihrer sozialen Interaktion Spuren hinterlassen können.
„Jetzt geht es darum, dieses Wissen in die Praxis umzusetzen. Um Kindern den bestmöglichen Start zu ermöglichen, bedarf es klarer Vorschriften und sichererer Produkte“, sagt Marlene Stratmann.
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