Eine neue Studie zeigt, dass Musik und Verkehrslärm nicht nur den Hintergrund füllen. Sie können verändern, wie lebendig, emotional und sogar wie weit und wie schnell sich Menschen vorstellen, sich durch eine Szene zu bewegen.

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In einer kürzlich in der Zeitschrift veröffentlichten Studie Geistes- und sozialwissenschaftliche KommunikationForscher untersuchten, wie Verkehrslärm, Musik und ihre Kombination die wahrgenommene Stimmung und Lebendigkeit sowie die räumlich-zeitlichen Eigenschaften gerichteter mentaler Bilder beeinflussen.

Mentale Vorstellungen unterscheiden sich von der wahren Wahrnehmung und sind ein Hauptbestandteil alltäglicher kognitiver Fähigkeiten wie Sprachverständnis, Selbstregulierung, Gedächtnis, Zukunftsplanung und Entscheidungsfindung. Gezielte mentale Vorstellungen beziehen sich auf absichtliche, zielgerichtete mentale Vorstellungen, die in der Regel darauf abzielen, ein Ziel zu erreichen, während ungerichtete mentale Vorstellungen einer Gedankenwanderung ähneln.

Musik kann Bildeigenschaften effektiv modulieren. Es kann die Lebendigkeit von Bildern im Durchschnitt erheblich steigern und die positive emotionale Stimmung steigern. Es kann auch die Art und den Inhalt mentaler Bilder verändern. Während Musik die Eigenschaften mentaler Vorstellungen beeinflussen kann, ist der Einfluss anderer Hörreize, wie beispielsweise Lärm, insbesondere Verkehrslärm, bei gezielten mentalen Vorstellungsaufgaben nach wie vor weniger gut untersucht.

Über die Studie

In der vorliegenden Studie untersuchten die Forscher die Auswirkungen von Musik, Verkehrslärm und deren Kombination auf die Lebendigkeit und Stimmung gerichteter mentaler Bilder sowie die imaginäre Zeit, Entfernung und ein exploratives Maß für die imaginäre Geschwindigkeit. Die Teilnehmer waren Studenten einer australischen Universität. Zu den Hörreizen gehörten drei Musikstücke und vier Verkehrslärmproben. Die Probanden hörten nur die ersten 105 Sekunden jedes Musikstücks.

Der Verkehrslärm-Clip war ein städtischer Lärmreiz mit geringer Diversität, der einen konstanten, subtilen Verkehrsfluss, Autohupen und Verbrennungsmotoren beinhaltete. Der sechsminütige Verkehrslärmclip wurde in vier 105-Sekunden-Segmente aufgeteilt. In der kombinierten Musik-Verkehrslärm-Einstellung wurde die Musik lauter eingestellt als der Lärm. Konkret war der Lärm 15 dB leiser als die Musik.

Die Teilnehmer sahen sich zunächst einen visuellen Induktor an, ein 15-sekündiges Video der Eröffnungssequenz eines Videospiels. Der Clip zeigte eine Gestalt, die einen Hügel hinaufstieg, wobei in weiter Ferne vom Gipfel ein vager Orientierungspunkt zu sehen war. Die Teilnehmer wurden gebeten, nach dem Betrachten des visuellen Induktors die Augen zu schließen und sich vorzustellen, wie die Figur auf das Wahrzeichen zugeht. Diese mentale Vorstellungsaufgabe dauerte 90 Sekunden, wobei ein Gong den Anfang und das Ende signalisierte.

Die Probanden hörten vom Beginn des visuellen Induktors bis zum Ende der Aufgabe Musik, Lärm, Musik plus Verkehrslärm oder Stille. Anschließend beantworteten sie sechs Fragen, um die imaginäre Entfernung, Zeit und Lebendigkeit zu quantifizieren. Der obige Vorgang wurde für jede Bedingung über acht Versuche hinweg wiederholt. Zur Beurteilung der imaginierten Stimmung wurden das National Language Tool Kit und das Valence Aware Dictionary for Sentiment Reasoning-Modell verwendet.

Erkenntnisse

Die Studie umfasste 107 Teilnehmer, darunter 23 Männer und 84 Frauen im Alter von 17–50 Jahren. Die Teilnehmer berichteten unter allen Bedingungen von lebendigeren Bildern als im Ruhezustand. Die Lebhaftigkeit war zwischen Verkehrslärm, Musik und Musik-Verkehrslärm-Bedingungen vergleichbar. Bemerkenswert ist, dass Musik und Musik-Verkehrslärm eine positivere Stimmung im vorgestellten Inhalt hervorriefen als Stille. Die eingebildete Inhaltsstimmung war zwischen Verkehrslärm und Ruhebedingungen vergleichbar.

Die Musik-Verkehrslärm- und Musikbedingungen führten zu positiveren imaginierten Inhalten als die Verkehrslärm-Bedingung. Die Musikbedingung zeigte auch mehr positive imaginierte Inhalte als die Musik-Verkehrslärmbedingung, was darauf hindeutet, dass das Hinzufügen von Verkehrslärm die positive emotionale Wirkung der Musik dämpfte. Die gedachte Reisezeit war bei Musik und Musik-Verkehrslärm länger als bei Stille und Verkehrslärm. Konsequenterweise war die imaginäre Reisezeit im Musikzustand länger als im Musik-Verkehrslärm-Zustand.

Darüber hinaus war die gedachte Reisedistanz unter allen Bedingungen größer als bei Stille. Allerdings führten Musik und Musik-Verkehrslärm zu größeren imaginierten Entfernungen als der Verkehrslärmzustand und waren miteinander vergleichbar. Bemerkenswert ist, dass die vorgestellte Geschwindigkeit bei Verkehrs- und Musiklärm höher war als bei Stille. Es gab keine Hinweise darauf, dass sich die eingebildete Geschwindigkeit zwischen Musik- und Stillebedingungen unterschied.

Die vorgestellte Geschwindigkeit war im Musikzustand geringer als im Verkehrslärm- und Musik-Verkehrslärm-Zustand. Die Wahrscheinlichkeit, sich verkehrsbezogene Inhalte vorzustellen, war bei Musik- und Stillebedingungen vergleichbar. Allerdings war die Wahrscheinlichkeit bei Verkehrslärm und Musik-Verkehrslärm höher als bei Stille und Musik.

Die Teilnehmer stellten sich im Zustand Verkehrslärm mehr verkehrsbezogene Inhalte vor als im Zustand Musik-Verkehrslärm. Diese Verkehrsinhaltsanalyse war jedoch eher explorativ als Teil der wichtigsten vorab registrierten Hypothesen.

Schlussfolgerungen

Zusammenfassend untersuchte die Studie, ob Verkehrslärm, Musik oder ihre Kombination die Merkmale der emotionalen Stimmung, der Lebendigkeit, der imaginären Entfernung und der imaginären Zeit in einer gerichteten mentalen Vorstellungsaufgabe beeinflussen. Die Ergebnisse zeigen, dass Musik im Vergleich zu Stille die Lebendigkeit, die imaginierte Zeit, die imaginierte Entfernung und die positive Stimmung steigerte.

Verkehrslärm hatte einen ähnlichen Effekt auf die Lebendigkeit, jedoch einen geringeren Effekt auf die emotionale Stimmung, die imaginierte Entfernung und die imaginierte Zeit, wobei er die Lebendigkeit und Entfernung erhöhte, jedoch nicht die positive Stimmung oder die imaginierte Zeit.

Die kombinierte Musik-Verkehrslärm-Bedingung reduzierte die Wirkung auf die Stimmung, ohne die imaginierte Distanz, die Lebendigkeit oder die imaginierte Zeit zu beeinträchtigen. Insbesondere führte der Verkehrslärm zu einer schnelleren Vorstellungsgeschwindigkeit und spiegelte sich auch in den vorgestellten Inhalten der Teilnehmer wider, was seinen Einfluss auf die mentalen Bilder verdeutlichte.

Diese Ergebnisse legen nahe, dass Hörumgebungen, einschließlich solcher mit Hintergrundgeräuschen, verschiedene Aspekte mentaler Bilder auf unterschiedliche Weise prägen können, anstatt sie gleichmäßig zu verstärken.

Die Autoren wiesen auch auf eine potenzielle Relevanz für bildbasierte Therapiesettings hin, warnten jedoch davor, dass das Online-Design, die eigenen Hörgeräte der Teilnehmer, die verwendeten spezifischen Klangbeispiele und die junge universitäre Stichprobe die Generalisierbarkeit einschränken könnten.


Quellen:

Journal reference:
  • Ayyildiz C, Prince JB, Delalande J, Herff SA (2026). Traffic jams: music and traffic noise interact to influence the vividness, sentiment, and spatiotemporal properties of directed mental imagery. Humanities and Social Sciences Communications. DOI: 10.1057/s41599-026-07057-7, https://www.nature.com/articles/s41599-026-07057-7