Von Grippe und COVID-19 bis hin zu HIV und Gürtelrose: Eine umfassende Analyse zeigt, dass Virusinfektionen Herz-Kreislauf-Erkrankungen auslösen oder beschleunigen können, was die Rolle der Impfung beim Schutz des Herzens unterstreicht.

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In einer kürzlich veröffentlichten systematischen Überprüfung und Metaanalyse in der Zeitschrift der American Heart AssociationForscher haben Daten aus 155 verschiedenen Studien synthetisiert und erneut analysiert, um Zusammenhänge zwischen viralen Krankheitserregern und Herz-Kreislauf-Erkrankungen (CVD) zu untersuchen.

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Studienergebnisse bestätigen, dass mehrere häufige Viren, darunter diejenigen, die für Influenza, COVID-19, HIV, Hepatitis C und Gürtelrose verantwortlich sind, signifikant mit einem erhöhten Risiko für koronare Herzkrankheiten und Schlaganfälle verbunden sind. Diese Arbeit legt nahe, dass die Vorbeugung von Infektionen durch Maßnahmen wie Impfungen eine entscheidende Strategie zum Schutz der künftigen Herz- und Herz-Kreislauf-Gesundheit sein könnte.

Globale Belastung und traditionelle CVD-Risikofaktoren

Herz-Kreislauf-Erkrankungen (CVDs), zu denen Herzinfarkte und Schlaganfälle gehören, sind die weltweit häufigste Todesursache beim Menschen. Allein im Jahr 2021 sind für über 20 Millionen Todesfälle verantwortlich. Kampagnen im Bereich der öffentlichen Gesundheit konzentrieren sich seit Jahrzehnten zu Recht auf die Veränderung traditioneller Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhter Cholesterinspiegel, Rauchen und schlechte Ernährung.

Virusinfektionen als neu auftretende kardiovaskuläre Auslöser

Während diese traditionellen Risikofaktoren gut erforscht sind, wird die Rolle viraler Infektionen oft übersehen. Durch die COVID-19-Pandemie rückte dieser „andere“ potenzielle Auslöser jedoch deutlich in den Fokus. Frühere Untersuchungen sowohl in Tiermodellen als auch in klinischen Studien am Menschen haben diesen Mechanismus offenbart: Wenn ein Virus eindringt, löst der Körper eine intensive Entzündungsreaktion aus.

Entzündungsmechanismen, die zu Gefäßschäden führen

Diese systemische Entzündung kann die empfindliche Auskleidung der Blutgefäße schädigen (endotheliale Dysfunktion) und die Wahrscheinlichkeit einer Blutgerinnung erhöhen (ein hyperkoagulierbarer Zustand). Bei COVID-19 wurde ein zusätzlicher Mechanismus, an dem neutrophile extrazelluläre Fallen (NETs), Netze aus DNA und Proteinen, die von Immunzellen freigesetzt werden, beteiligt sind, mit der Auslösung von Blutgerinnseln und Herzinfarkten in Verbindung gebracht. Bei Menschen mit bestehenden atherosklerotischen Plaques (Verhärtung der Arterien) kann diese akute Reaktion dazu führen, dass ein Plaque reißt, was direkt zu einem Herzinfarkt oder Schlaganfall führt.

Lücken in der umfassenden Virus-CVD-Forschung

Während viele Studien einzelne Viren mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht haben, fehlte eine umfassende, groß angelegte Bewertung, die die Risiken einer breiten Palette von Infektionen vergleicht.

Umfang der systematischen Überprüfung und Metaanalyse

Die vorliegende Studie ging auf diesen dringenden Bedarf ein und informierte über künftige Ratschläge zur öffentlichen Gesundheit im Bereich Herz-Kreislauf-Erkrankungen, indem sie eine systematische Überprüfung und Metaanalyse durchführte, die mehr als 150 aktuelle Veröffentlichungen nutzte, die den Zusammenhang zwischen Virusinfektionen und nachfolgenden kardiovaskulären Ereignissen untersuchten.

Studienauswahl und Datenquellen

Studien zur Aufnahme in die vorliegende Arbeit wurden durch eine benutzerdefinierte Stichwortsuche in fünf großen wissenschaftlichen Datenbanken, darunter MEDLINE und Web of Science, nach relevanten Studien identifiziert, die bis zum 3. Juli 2024 veröffentlicht wurden. Titel, Zusammenfassung und Volltext-Screening von mehr als 52.000 wissenschaftlichen Aufzeichnungen führten zur Einbeziehung von 155 hochwertigen Studien in nachfolgende Analysen.

Geografische Darstellung und Studiendesign

Eine HPV-Infektion war für Frauen eine deutliche Warnung: Zwei südkoreanische Studien ergaben, dass Frauen mit Hochrisiko-HPV-Stämmen einem um 25 % höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und einem fast vierfach (391 %) erhöhten Risiko für einen kardiovaskulären Tod ausgesetzt waren.

Bemerkenswert ist, dass die meisten Studien aus Nordamerika, Europa und Ostasien stammten, während Lateinamerika, Afrika und Süd-/Südostasien unterrepräsentiert waren – Regionen, die einer hohen Belastung durch Infektions- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ausgesetzt sind. Die eingeschlossenen Studien umfassten drei Haupttypen:

  1. Kohortenstudien
  2. Fall-Kontroll-Studien
  3. Eine selbstkontrollierte Fallserie (SCCS) ist eine leistungsstarke und relativ neuartige Methode, die das Risiko einer Person für ein Ereignis (z. B. einen Herzinfarkt) im Zeitfenster unmittelbar nach einer Infektion mit ihrem eigenen Grundrisiko zu anderen Zeiten vergleicht.

Bei Influenza wurden in den SCCS-Studien vor allem schwere Fälle erfasst (da Labortests normalerweise diesen Fällen vorbehalten sind).

Analytischer Ansatz und wichtige Ergebnisse

Daten aus allen 155 Veröffentlichungen wurden zusammengefasst, um den Zusammenhang zwischen bestimmten Virusinfektionen und wichtigen kardiovaskulären Folgen, einschließlich koronarer Herzkrankheit (KHK), Schlaganfall und Herzinsuffizienz, zu messen. Diese Daten wurden genutzt, um ein gepooltes Risikoverhältnis (RR) für das Langzeitrisiko und ein Inzidenzratenverhältnis (IRR) für das Risiko in der akuten Phase zu berechnen.

Akute und chronische Virusinfektionen erhöhen das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung

Das Risiko einer Herzinsuffizienz stach bei HIV besonders hervor: Unter den untersuchten Viren war HIV laut der Metaanalyse in einzigartiger Weise mit einem wesentlich höheren (89 % erhöhten) Risiko für die Entwicklung einer Herzinsuffizienz verbunden.

Metaanalysen ergaben signifikante Zusammenhänge zwischen mehreren häufigen Viren und schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignissen, wobei die Stärke der Beweise je nach Krankheitserreger unterschiedlich ausfiel. Sowohl akute Infektionen (wie Influenza und SARS-CoV-2) als auch chronische Infektionen (wie HIV, Hepatitis-C-Virus). [HCV]und Herpes Zoster [Shingles]) erhöhen nachweislich das CVD-Risiko.

Influenza erhöht das kurzfristige Herzinfarktrisiko erheblich

Eine im Labor bestätigte Grippe war im ersten Monat nach der Infektion mit einem 4-fachen Anstieg (IRR von 4,01) des Risikos eines akuten Myokardinfarkts (MI) oder Herzinfarkts und einem 5-fachen Anstieg (IRR von 5,01) des Schlaganfallrisikos verbunden. Es stellte sich heraus, dass die Gefahr in den ersten sieben Tagen am höchsten war, als das MI-Risiko um mehr als das Siebenfache anstieg (IRR von 7,20), in den Tagen 8 bis 14 jedoch stark auf das 1,87-fache abfiel.

COVID-19 und langfristige kardiovaskuläre Komplikationen

COVID-19-Infektionen waren in ähnlicher Weise mit einem erhöhten Langzeitrisiko für KHK (RR 1,74) und Schlaganfall (RR 1,69) verbunden. SCCS-Studien bestätigten das akute Risiko und zeigten einen 3,35-fachen Anstieg des MI-Risikos innerhalb der ersten 14 Wochen. Bei diesen SARS-CoV-2-Ergebnissen wurde eine erhebliche Heterogenität beobachtet, die die methodischen Herausforderungen während der Pandemie widerspiegelt.

Chronische Virusinfektionen und anhaltendes Herzrisiko

Grundlegende Faktoren könnten das Bild noch trüben: Die Forscher warnten, dass nicht gemessene Einflüsse, wie genetische Veranlagungen oder gleichzeitige Infektionen mit anderen Krankheitserregern, die beobachteten Zusammenhänge zwischen Viren und Herzproblemen immer noch beeinflussen könnten.

Chronische Infektionen stellten eine langfristige Bedrohung dar. Eine HIV-Infektion war mit einem um 60 % höheren KHK-Risiko (RR 1,60) und einem 45 % höheren Schlaganfallrisiko (RR 1,45) verbunden und war das einzige Virus mit belastbaren Belegen für ein Herzinsuffizienzrisiko (RR 1,89). HCV war mit einem um 27 % höheren KHK-Risiko (RR 1,27), einem 23 % höheren Schlaganfallrisiko (RR 1,23) und einem doppelt so hohen Risiko für kardiovaskulären Tod (RR 2,11) verbunden.

Gürtelrose und kardiovaskuläre Ereignisse nach einer Infektion

Gürtelrose, eine Reaktivierung des Windpockenvirus, war mit einem um 12 % höheren KHK-Risiko (RR 1,12) und einem 18 % höheren Schlaganfallrisiko (RR 1,18) verbunden. SCCS-Daten aus der akuten Phase zeigten, dass das Schlaganfallrisiko 1–3 Wochen nach der Infektion seinen Höhepunkt erreichte (IRR 1,61). Insbesondere fand die Überprüfung keinen positiven Zusammenhang zwischen dem Hepatitis-B-Virus und kam zu dem Schluss, dass die Beweise für das Cytomegalievirus trotz eines vorläufigen Zusammenhangs mit kardiovaskulärem Tod weiterhin unzureichend sind (RR 1,28).

Neue virale Verbindungen erfordern eine weitere Validierung

Viren wie HPV, Denguefieber und Chikungunya haben in einzelnen Studien Zusammenhänge gezeigt, erfordern jedoch aufgrund begrenzter Beweise eine weitere Validierung.

Mechanismen, die Viren mit Herzerkrankungen in Verbindung bringen

Die Ergebnisse der Überprüfung zeigen, dass die Auswirkungen eines Virus oft weit über die ursprüngliche Erkrankung hinausgehen. Sie kommen zu dem Schluss, dass diese Viren wahrscheinlich zu Herzerkrankungen beitragen, indem sie anhaltende, geringgradige Entzündungen fördern, gerinnungsfördernde Signalwege aktivieren und sogar direkt in arterielle Endothelzellen eindringen.

Impfung und Prävention infektionsbedingter Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Die Impfung erwies sich als eine wichtige Präventionsstrategie, wobei direkte Studienergebnisse die Wirksamkeit von Influenza-Impfstoffen belegen (Reduzierung des Risikos für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um 34 %), während Herpes-Zoster-Impfstoffe ein vielversprechendes indirektes Potenzial aufweisen. Die Autoren betonen, dass in unterrepräsentierten Regionen und bei wenig erforschten Viren weiterhin Forschungslücken bestehen.


Quellen:

Journal reference:
  • Kawai, K., Muhere, C. F., Lemos, E. V., & Francis, J. M. (2025). Viral Infections and Risk of Cardiovascular Disease: Systematic Review and Meta‐Analysis. Journal of the American Heart Association. DOI – 10.1161/jaha.125.042670