Die Darmmikrobiota spielt eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung der Gesundheit des Wirts und der Leberfunktion. Die fäkale Mikrobiota-Transplantation (FMT), eine neue Therapiemethode, hat ein vielversprechendes Potenzial bei der Behandlung chronischer Lebererkrankungen gezeigt. Um Klinikern bei der schnellen Beherrschung und Standardisierung der klinischen Anwendung von FMT bei chronischen Lebererkrankungen zu helfen, hat die Gruppe für leberbedingte Verdauungskrankheiten der Chinesischen Gesellschaft für Hepatologie, Chinese Medical Association, diesen Expertenkonsens entwickelt. Der Konsens geht umfassend auf Schlüsselaspekte der FMT-Anwendung ein, darunter Indikationen, Kontraindikationen, Wirksamkeit, Sicherheit, Spenderauswahl und -management, Transplantationswege, Vorsichtsmaßnahmen sowie die Prävention und Behandlung von Nebenwirkungen bei chronischen Lebererkrankungen wie chronischer Hepatitis, Leberzirrhose und Leberkrebs, und bietet so Referenzen und Leitlinien für die klinische Praxis.
Einführung
Die Darm-Leber-Achse ist in den letzten Jahren zu einem zentralen Schwerpunkt der lebenswissenschaftlichen Forschung geworden. Chronische Lebererkrankungen umfassen ein breites Spektrum pathologischer Erkrankungen, darunter chronische Virushepatitis, alkoholische Lebererkrankung (ALD), metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD), autoimmune Lebererkrankung (AILD), Leberzirrhose (LC), hepatische Enzephalopathie (HE) und Leberkrebs. Zahlreiche Belege belegen das Vorliegen einer Dysbiose der Darmmikrobiota bei diesen Erkrankungen. Die Wiederherstellung des Gleichgewichts der Darmmikrobiota, beispielsweise durch FMT, verspricht eine Verbesserung der Leberfunktion, eine Linderung von Entzündungsreaktionen und eine Verbesserung der Lebensqualität der Patienten. Allerdings sind die Indikationen, Kontraindikationen und standardisierten Protokolle für die FMT bei chronischen Lebererkrankungen nach wie vor unvollständig definiert. Dieser Konsens zielt darauf ab, Klinikern auf diesem Gebiet systematische Leitlinien zu bieten.
Qualität der Evidenz und Stärke der Empfehlungen
Dieser Konsens wurde nach dem GRADE-System (Grading of Recommendations Assessment, Development and Evaluation) entwickelt. Die Qualität der Evidenz wurde als hoch (A), mäßig (B) oder niedrig/sehr niedrig (C) eingestuft. Die Stärke jeder Empfehlung wurde als stark (1) oder schwach (2) eingestuft. Zur Formulierung der endgültigen Empfehlungen wurden die Delphi-Methode und die Nominalgruppentechnik eingesetzt.
Wichtige klinische Probleme und Empfehlungen
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Indikationen für FMT bei chronischer Lebererkrankung: FMT ist bei chronischen Lebererkrankungen unterschiedlicher Genese anwendbar (ausgenommen medikamenteninduzierte Leberschädigung), einschließlich chronischer Hepatitis B (CHB), ALD, MASLD, AILD, LC, HE und Leberkrebs (um die Empfindlichkeit gegenüber einer Antitumortherapie zu erhöhen). Es gibt Hinweise darauf, dass FMT das Ungleichgewicht der Mikrobiota korrigieren, die Immun- und Stoffwechselwege im Darm modulieren und so Leberentzündungen und Fibrose lindern kann.
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Kontraindikationen und kontraindizierte Populationen: Zu den Kontraindikationen gehören instabile Vitalfunktionen, schwere Beeinträchtigung der Darmbarriere, schwere Immunsuppression und Schwangerschaft. Diese Erkrankungen erfordern eine sorgfältige Risiko-Nutzen-Abwägung oder schließen den Einsatz von FMT aus.
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Wirksamkeit und Sicherheit: Zusätzlich zur Standardbehandlung der Grunderkrankung ist FMT sicher und wirksam bei Patienten mit CHB, alkoholischer Hepatitis (AH), MASLD, primär sklerosierender Cholangitis (PSC), LC und HE. Es kann auch bei der Verbesserung der Tumorempfindlichkeit gegenüber einer Krebstherapie bei hepatozellulärem Karzinom (HCC) hilfreich sein. Die häufigsten Nebenwirkungen sind leichte, selbstlimitierende Magen-Darm-Beschwerden. Ein strenges Spenderscreening ist aus Sicherheitsgründen von größter Bedeutung.
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Spenderauswahl: Standardmäßige, nicht verwandte Spender sollten Vorrang haben. Das obligatorische umfassende Screening muss die Krankengeschichte, eine psychologische Untersuchung und umfangreiche Labortests (Blut und Stuhl) umfassen, um Krankheitserreger, multiresistente Organismen und andere Risiken auszuschließen.
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Spendermanagement: Spender benötigen ein angemessenes Management, um die Stabilität und Nachhaltigkeit der Spende zu gewährleisten, einschließlich regelmäßiger Neubewertungen des Gesundheitszustands und der Aufbewahrung von Stuhlproben zur Analyse. Es wird eine Ernährungsberatung empfohlen, die den Schwerpunkt auf pflanzliche, ballaststoffreiche Lebensmittel legt und gleichzeitig fett-, eiweißreiche, reizende oder schwer verdauliche Lebensmittel meidet.
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Auswahl der Transplantationsroute: FMT kann über den oberen Gastrointestinaltrakt (orale Kapseln), den mittleren Gastrointestinaltrakt (Gastroskopie, nasoduodenale/nasojejunale Sonde) oder den unteren Gastrointestinaltrakt (Koloskopie, Einlauf) verabreicht werden. Der optimale Weg sollte durch eine umfassende Bewertung durch ein multidisziplinäres Team unter Berücksichtigung der Patientenverträglichkeit und der Krankheitsspezifika ermittelt werden. Die Einwilligung des Patienten nach Aufklärung ist unerlässlich.
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Vorbereitung vor der Transplantation: Der Einsatz von Antibiotika sollte vor der FMT nach Möglichkeit vermieden werden, da sie sich negativ auf den Gesamterfolg der Transplantation und die Wiederherstellung der Mikrobiota-Vielfalt auswirken kann. Für den unteren Gastrointestinaltrakt wird eine Darmvorbereitung empfohlen, um den Schleimhautkontakt und die Transplantation zu erleichtern.
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Dosis, Häufigkeit und Form der Transplantation: Höhere Dosen und häufigere Verabreichungen sind im Allgemeinen mit einer besseren Wirksamkeit bei der Wiederherstellung des Mikrobiota-Gleichgewichts und der Reduzierung von Rückfällen verbunden. Frische Stuhlproben liefern bessere Ergebnisse als gefrorene. Das Regime sollte flexibel an die individuelle Reaktion des Patienten angepasst werden.
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Folgeprinzipien: Zur umfassenden Beurteilung der Wirksamkeit sollte eine Kombination aus kurzfristiger (innerhalb von 24 Stunden zur Überwachung der Verträglichkeit) und langfristiger Nachbeobachtung (Beurteilung der Symptome und relevanter Tests nach 4 Wochen) gewählt werden. Die Nachbeobachtung sollte mindestens 8 Wochen dauern. Wenn die anfängliche Reaktion unzureichend ist, kann ein Spenderwechsel oder eine erneute FMT in Betracht gezogen werden.
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Nebenwirkungen und Management: Die häufigsten Nebenwirkungen sind leichte, selbstlimitierende gastrointestinale Symptome. Ein strenges Spenderscreening und eine gründliche Patientenbeurteilung können Risiken mindern. Die Aufklärung der Patienten über mögliche Reaktionen und Managementstrategien ist für die Compliance von entscheidender Bedeutung.
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Vorsichtsmaßnahmen für besondere Bevölkerungsgruppen (Kinder, schwangere Frauen): Die Anwendung von FMT bei Kindern und schwangeren Frauen mit chronischer Lebererkrankung erfordert äußerste Vorsicht und sorgfältige Abwägung. Es liegen noch keine Berichte über FMT bei Kindern mit chronischer Lebererkrankung vor. FMT wird schwangeren Frauen nicht empfohlen. Eine multidisziplinäre Beurteilung, das Vertrauen zwischen Arzt und Patient und eine transparente Einwilligung nach Aufklärung sind von größter Bedeutung.
Abschluss
Dieser Expertenkonsens, der auf aktuellen Erkenntnissen und klinischen Erfahrungen basiert, bietet einen strukturierten Rahmen für die standardisierte Anwendung von FMT bei der Behandlung chronischer Lebererkrankungen. Es unterstreicht das therapeutische Potenzial der FMT bei einem Spektrum von Lebererkrankungen und betont gleichzeitig die entscheidende Bedeutung eines strengen Spenderscreenings, der Patientenauswahl und der Verfahrenssicherheit. Die Empfehlungen zielen darauf ab, Klinikern bei der Optimierung des FMT-Einsatzes zur Verbesserung der Patientenergebnisse zu helfen, und fordern gleichzeitig weitere hochwertige Forschung zur Stärkung der Evidenzbasis, insbesondere im Hinblick auf die langfristige Wirksamkeit und Anwendung in speziellen Populationen.
Quellen:
Zhou, Y., et al. (2025). Expert Consensus on Clinical Applications of Fecal Microbiota Transplantation for Chronic Liver Disease (2025 edition). Journal of Clinical and Translational Hepatology. doi: 10.14218/jcth.2025.00456. https://www.xiahepublishing.com/2310-8819/JCTH-2025-00456