Die kardiale Magnetresonanztomographie (MRT) ist ein geeignetes nicht-invasives Verfahren zur Funktionsdiagnostik bei Patienten, bei denen aufgrund der Basisdiagnostik der Verdacht auf eine chronische koronare Herzkrankheit (KHK) oder das Fortschreiten einer bekannten KHK besteht: Die diagnostische Genauigkeit der kardialen MRT ist bei der Erkennung einer KHK mindestens mit der der SPECT (Single Photon Emission Computed Tomography) vergleichbar, belastet den Patienten jedoch nicht mit Strahlung. Dies ist das abschließende Fazit der Nutzenbewertung.

Der (deutschsprachige) Bericht erschien im Oktober 2025, eine englische Übersetzung im Januar 2026.

Im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) die Vor- und Nachteile der Herz-MRT im Vergleich zu einer Diagnosestrategie ohne MRT untersucht.

Es wurde nur eine Studie mit minimaler Aussagekraft identifiziert, in der die Patienten randomisiert entweder einer MRT- oder einer SPECT-Untersuchung unterzogen wurden. Die IQWiG-Forscher gingen daher auch der Frage nach der diagnostischen Genauigkeit der Herz-MRT im Vergleich zur SPECT nach. In den Studien zu diesem Thema wurden alle Patienten sowohl einer MRT als auch einer SPECT unterzogen und alle Befunde wurden durch eine weitere diagnostische Methode, die invasive Koronarangiographie (ICA), verifiziert.

Die Ergebnisse aus sechs Studien zeigten, dass die kardiale MRT eine mindestens vergleichbare Trefferquote (diagnostische Genauigkeit) aufwies. Da es sich bei der MRT im Gegensatz zur SPECT nicht um eine Strahlenbelastung handelt, ergab sich insgesamt ein Vorteil für die Patienten, den das IQWiG als „Anhaltspunkt für einen größeren Nutzen“ wertete.

Die MRT stellt eine sinnvolle Erweiterung der diagnostischen Möglichkeiten bei Verdacht auf eine koronare Herzkrankheit dar. Wir gehen davon aus, dass die Behandler die KHK-Diagnostik weiterhin differenziert und auf die individuelle Patientensituation abstimmen und Doppeldiagnostik vermeiden„, sagt Martina Lietz, wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Abteilung Nichtmedikamentöse Interventionen des IQWiG und Projektleiterin dieser Nutzenbewertung. Auch die generelle Verfügbarkeit der MRT dürfte dann unproblematisch sein.

Eine differenzierte KHK-Diagnostik ist notwendig und möglich

Bis zu vier verschiedene Diagnosetechniken kommen in erster Linie in Betracht, wenn bei einem Menschen mit Herzproblemen nach der Basisdiagnostik eine KHK-Wahrscheinlichkeit von etwa 15 bis 85 Prozent festgestellt wird: MRT, SPECT und Stressechokardiographie werden als funktionelle Verfahren bezeichnet, weil sie die Funktion des Herzens untersuchen und grundsätzlich miteinander vergleichbar sind. Allerdings wird die Belastungsechokardiographie aus verschiedenen klinischen Gründen immer seltener eingesetzt und wird daher als zweitrangig eingeschätzt. Das IQWiG hat diesen Vergleich daher nicht einbezogen.

Die kardiale Computertomographie (CT), auch Computertomographie-Koronarangiographie (CCTA) genannt, ist ein morphologisches Verfahren zur Untersuchung der Herzkranzgefäße und unterscheidet sich daher grundlegend von der kardialen MRT. Daher schien ein Vergleich dieser beiden Methoden nicht sehr aussagekräftig zu sein.

Die Entscheidung für ein bestimmtes diagnostisches Verfahren hängt von der Vortestwahrscheinlichkeit, der individuellen Situation des Patienten (z. B. Komorbiditäten) und der lokalen Verfügbarkeit von Diagnostika ab. Darüber hinaus müssen Kontraindikationen und Nebenwirkungen berücksichtigt werden, insbesondere im Hinblick auf die Belastbarkeit des Herzens für funktionelle Belastungsdiagnostikverfahren oder die Durchführbarkeit der Gabe von Kontrastmitteln im Rahmen einer Untersuchung.

Die invasive Koronarangiographie (ICA, „Herzkatheterisierung“) hingegen sollte nur dann eingesetzt werden, wenn die Wahrscheinlichkeit einer KHK sehr hoch ist (> 85 Prozent) und daher in vielen Fällen erst durchgeführt werden, nachdem Anzeichen einer KHK mittels MRT, SPECT, Stressechokardiographie oder Herz-CT festgestellt wurden. Bei differenzierter Anwendung sind die Befunde aller dieser vier Verfahren im Idealfall eindeutig, so dass nicht mehr als einer dieser Tests erforderlich ist, um eine KHK relativ sicher zu erkennen bzw. auszuschließen.

Prozess der Berichtserstellung

Am 26. September 2024 hat der G-BA das IQWiG mit der Durchführung einer Nutzenbewertung der kardialen Magnetresonanztomographie bei koronarer Herzkrankheit beauftragt. Das IQWiG veröffentlichte die vorläufigen Ergebnisse im Juli 2025 und Interessierte wurden zur Stellungnahme aufgefordert. Nach Abschluss des Stellungnahmeverfahrens wurde der Bericht überarbeitet und im Oktober 2025 an den Auftraggeber übermittelt. Die abgegebenen schriftlichen Stellungnahmen und das Protokoll der wissenschaftlichen Debatte werden zeitgleich mit dem Abschlussbericht in einem separaten Dokument veröffentlicht.


Quellen: