Flexible Praxisstandorte ermöglichen eine bedarfsgerechte, wirtschaftliche und patientennahe Versorgung, ohne langfristige Bindung an einen festen Ort. Gerade für moderne Gesundheitsdienstleister eröffnen sie neue Spielräume, um auf veränderte Patientenerwartungen, Fachkräftemangel und wirtschaftlichen Druck zu reagieren. Digitale Prozesse, modulare Raumkonzepte und geteilte Infrastruktur schaffen Strukturen, in denen medizinische Qualität und organisatorische Entlastung zusammenfinden. So entstehen Versorgungsmodelle, die sowohl für niedergelassene Ärztinnen und Ärzte als auch für Therapeutinnen, Coaches und andere Gesundheitsberufe tragfähig sind.
TL;DR – Das Wichtigste in Kürze
- Flexible Praxisstandorte reduzieren Fixkosten und senken das wirtschaftliche Risiko.
- Modulare Raumkonzepte und Shared-Space-Modelle erleichtern den Einstieg in die Selbstständigkeit.
- Patientinnen und Patienten profitieren von wohnortnahen, gut erreichbaren und zeitlich flexiblen Angeboten.
- Digitale Tools für Terminplanung, Dokumentation und Abrechnung sind zentrale Bausteine flexibler Praxismodelle.
- Rechtssicherheit, Datenschutz und klare Verantwortlichkeiten bleiben trotz Flexibilität unverzichtbar.
Chancen flexibler Praxisstandorte für die Versorgung
Neue Spielräume für unterschiedliche Berufsgruppen
Flexible Praxisstandorte eröffnen für verschiedene Gesundheitsberufe unterschiedliche, aber komplementäre Chancen. Ärztinnen, Psychotherapeutinnen, Physiotherapeuten, Hebammen oder Ernährungsberater können Sprechzeiten an mehreren Orten anbieten, ohne überall eine vollständige Infrastruktur finanzieren zu müssen. So lassen sich Spezialangebote in Regionen bringen, in denen es sonst keine entsprechende Versorgung gäbe. Gleichzeitig wird der Übergang von der Anstellung in die Teilselbstständigkeit erleichtert, weil zunächst nur begrenzte Präsenzzeiten und damit überschaubare Kosten entstehen.
Patientenzentrierung durch Nähe und Erreichbarkeit
Für Patientinnen und Patienten bedeuten flexible Standorte kürzere Wege, mehr Terminoptionen und eine bessere Vereinbarkeit mit Beruf und Familie. Sprechstunden in Wohnortnähe, in Gesundheitszentren oder integrierten Versorgungszentren reduzieren Anfahrtszeiten und Wartezeiten. Gerade chronisch Kranke, ältere Menschen oder Personen mit eingeschränkter Mobilität profitieren von dezentralen Angeboten. Gleichzeitig ermöglichen flexible Zeiten – etwa Abendsprechstunden in bestimmten Standorten – eine Versorgung, die sich stärker an Lebensrealitäten orientiert.
Strukturelle Modelle: Von Co-Working bis Gesundheitszentrum
Vergleich gängiger Standortmodelle
Verschiedene Modelle flexibler Praxisstandorte unterscheiden sich vor allem in Grad der Bindung, Kostenstruktur und Mitgestaltungsmöglichkeiten. Die folgende Tabelle bietet einen kompakten Überblick über typische Varianten und ihre Charakteristika.
| Modelltyp | Bindungsdauer | Investitionsbedarf | Infrastrukturumfang | Geeignet für |
| Stundengenaue Raumnutzung | sehr kurz | sehr gering | Basisräume, geteilte Ausstattung | Einstieg, Test neuer Regionen |
| Tages- oder Wochenkontingente | kurz bis mittel | gering bis moderat | voll ausgestattete Praxisräume | Teilselbstständigkeit, Zweitstandort |
| Praxis in Gesundheitszentrum | mittel bis länger | moderat | interdisziplinäre Infrastruktur | Vernetzte Versorgung, Kooperationen |
| Eigene Praxis im Verbund | längerfristig | höher | weitgehend individuell gestaltbar | Etablierte Praxen mit Wachstum |
Co-Working-Konzepte im Gesundheitsbereich
Co-Working für Gesundheitsberufe kombiniert geteilte Räume mit professioneller medizinischer Infrastruktur. Behandlungszimmer, Empfang, Wartebereich und häufig auch Praxis-IT werden gemeinsam genutzt, während die fachliche Tätigkeit eigenverantwortlich bleibt. Dies erleichtert kollegialen Austausch, interdisziplinäre Zusammenarbeit und Vertretungsregelungen. Besonders attraktiv sind solche Modelle für Berufsgruppen, die zunächst nur begrenzte Sprechzeiten anbieten möchten oder mehrere Standorte testen wollen, bevor langfristige Entscheidungen getroffen werden.
Wirtschaftliche und organisatorische Vorteile
Kostenstrukturen und Risikoreduktion
Flexible Praxisstandorte senken die Eintrittshürde in die ambulante Versorgung, weil hohe Anfangsinvestitionen in Ausstattung, Mietkaution und Umbau entfallen oder deutlich reduziert werden. Statt langfristiger Mietverträge treten nutzungsabhängige Entgelte, die sich an tatsächlichen Sprechzeiten orientieren. Wer flexible Praxisräume mieten kann, passt die Kapazitäten leichter an Nachfrage, Lebensphase und Teamgröße an. Das wirtschaftliche Risiko wird dadurch besser kalkulierbar, was insbesondere in unsicheren Zeiten oder bei neuen Versorgungskonzepten entlastend wirkt.
Organisatorische Entlastung durch geteilte Infrastruktur
Neben der finanziellen Dimension spielt die organisatorische Entlastung eine zentrale Rolle. Empfang, Telefonservice, Terminmanagement, Abrechnung oder Reinigung können in vielen flexiblen Modellen zentral organisiert sein. Dadurch sinkt der administrative Aufwand, der in klassischen Einzelpraxen häufig als belastend erlebt wird. Gesundheitsdienstleister gewinnen Zeit für direkte Patientenkontakte und fachliche Weiterentwicklung, während standardisierte Prozesse die Qualität und Verlässlichkeit der Abläufe unterstützen.
Digitale Bausteine moderner Praxisstandorte
Terminmanagement, Dokumentation und Abrechnung
Digitale Systeme bilden das Rückgrat flexibler Praxismodelle, weil sie Ortswechsel und geteilte Nutzung überhaupt erst praktikabel machen. Online-Terminbuchungen, automatisierte Erinnerungen und digitale Wartelisten reduzieren Leerlaufzeiten und verbessern die Auslastung. Elektronische Dokumentation und sichere Cloud-Lösungen ermöglichen, dass Befunde und Anamnesen standortunabhängig verfügbar sind. Ebenso erleichtern digitale Abrechnungssysteme den Umgang mit unterschiedlichen Kostenträgern, ohne dass für jeden Standort eine eigene Verwaltungsstruktur aufgebaut werden muss.
Telemedizin als Ergänzung flexibler Standorte
Telemedizin ergänzt flexible physische Standorte und schafft hybride Versorgungspfade. Routinekontrollen, Verlaufsgespräche oder Erstabklärungen können videobasiert erfolgen, während diagnostisch oder therapeutisch relevante Schritte vor Ort stattfinden. So lassen sich Wegezeiten weiter reduzieren und Termine effizienter gestalten. Gleichzeitig ermöglichen hybride Modelle eine bessere Kontinuität der Betreuung, wenn Patientinnen und Patienten zwischen verschiedenen Standorten wechseln oder zeitweise ausschließlich digital erreichbar sind.
Praktische Umsetzung und Qualitätsaspekte
Wichtige Schritte bei der Standortplanung
Für die Umsetzung flexibler Praxisstandorte empfiehlt sich ein strukturiertes Vorgehen in klaren Schritten. So lassen sich sowohl wirtschaftliche als auch qualitative Anforderungen berücksichtigen und Fehlentscheidungen vermeiden.
Strukturierte Liste: Zentrale Schritte zur Planung
- Bedarf klären: Fachgebiet, Zielgruppe, gewünschte Präsenzzeiten und regionale Versorgungslage analysieren.
- Modell wählen: Passendes Standortkonzept (stundenweise, tageweise, Zentrum) anhand von Zielen und Budget auswählen.
- Rechtliche Rahmenbedingungen prüfen: Zulassung, Verträge, Haftungsfragen und berufsrechtliche Vorgaben klären.
- Digitale Infrastruktur definieren: Praxissoftware, Terminmanagement, Datenschutz und IT-Sicherheit festlegen.
- Qualitätssicherung planen: Dokumentationsstandards, Hygiene, Notfallkonzepte und Feedbackprozesse strukturieren.
Qualität, Sicherheit und Patientenerfahrung
Auch in flexiblen Strukturen bleiben medizinische Qualität, Sicherheit und eine vertrauensvolle Atmosphäre unverzichtbar. Klare Abläufe bei Hygiene, Notfallmanagement und Dokumentation sind entscheidend, um die Patientensicherheit zu gewährleisten. Gleichzeitig spielt die Gestaltung von Räumen, Wartebereichen und Informationsangeboten eine wichtige Rolle für das subjektive Sicherheitsempfinden. Transparente Kommunikation über Zuständigkeiten, Erreichbarkeit und Vertretungsregelungen stärkt das Vertrauen in ein Versorgungssystem, das räumlich flexibler, aber in seiner Verlässlichkeit stabil bleibt.
Nutzungsszenarien und Zielgruppen flexibler Praxisräume
Typische Anwendungsfälle im Berufsalltag
Wenn Gesundheitsfachpersonen Praxisräume mieten, entstehen vielfältige Einsatzszenarien jenseits klassischer Sprechstunden. Häufig werden zusätzliche Räume gezielt für Schwerpunktsprechstunden, Gruppenangebote oder Schulungen genutzt, etwa für Geburtsvorbereitung, Reha-Kurse oder Ernährungsworkshops. Auch spezialisierte Diagnostiktermine, die nur in bestimmten Intervallen stattfinden, lassen sich so effizient organisieren, ohne dauerhaft Kapazitäten vorzuhalten. Wer zeitweise Praxisräume mieten möchte, kann zudem saisonale Nachfragespitzen – etwa in Grippezeiten oder während spezieller Präventionskampagnen – besser abfangen. Darüber hinaus eignen sich flexible Räume für Kooperationsprojekte, beispielsweise interdisziplinäre Fallkonferenzen oder gemeinsame Sprechstunden von Ärztinnen und Therapeutinnen, bei denen eine neutrale, gut erreichbare Infrastruktur Vorteile bietet.
Zielgruppen mit besonderem Flexibilitätsbedarf
Insbesondere Teilzeit-Tätige, Wiedereinsteigerinnen nach Elternzeit oder Fachkräfte im Übergang zwischen Klinik und Niederlassung profitieren davon, temporär Praxisräume mieten zu können. Für mobile Versorgungskonzepte, etwa aufsuchende Therapien oder kombinierte Home-Visit-Modelle, dienen solche Standorte als organisatorische Basis für Dokumentation, Materiallagerung und Patientenkontakt. Auch für in mehreren Regionen tätige Spezialistinnen – zum Beispiel in der Schmerztherapie oder Kinder- und Jugendpsychotherapie – bieten flexible Räume die Möglichkeit, regionale Versorgungslücken gezielt und zeitlich begrenzt zu schließen. So unterstützt das Modell sehr unterschiedliche Berufs- und Lebensphasen, ohne dass frühzeitig hohe, langfristig gebundene Investitionen erforderlich sind.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Was unterscheidet flexible Praxisstandorte von klassischen Praxen?
Flexible Praxisstandorte basieren auf geteilten Räumen und Infrastruktur mit kürzeren Bindungsfristen und nutzungsabhängigen Kosten. Klassische Praxen sind meist langfristig gemietet oder im Eigentum, mit vollständiger Eigenverantwortung für Ausstattung, Personal und Organisation.
Für welche Gesundheitsberufe eignen sich flexible Praxisstandorte besonders?
Flexible Modelle eignen sich vor allem für ambulant tätige Berufe wie Ärztinnen, Psychotherapeutinnen, Physiotherapeuten, Heilpraktiker, Hebammen oder Ernährungsberater. Besonders profitieren Berufsgruppen, die zunächst begrenzte Sprechzeiten anbieten oder mehrere Regionen versorgen möchten.
Sind flexible Praxisstandorte mit hoher Behandlungsqualität vereinbar?
Flexible Praxisstandorte sind mit hoher Behandlungsqualität vereinbar, wenn klare Standards für Hygiene, Dokumentation und Abläufe etabliert werden. Entscheidend sind eine professionelle Infrastruktur, verlässliche digitale Systeme und ein strukturiertes Qualitätsmanagement, das unabhängig vom konkreten Standort greift.