Eine der umfangreichsten Geburtskohorten der Welt erreicht nun das spätere Erwachsenenalter. An der Universität Oulu in Finnland startet die Northern Finland Birth Cohort 1966 (NFBC1966) ein großes neues Folgeprojekt, das jahrzehntelange biologische, soziale und umweltbezogene Daten mit modernen digitalen Gesundheitstools kombiniert, um zu untersuchen, wie lebenslange Expositionen und das Genom Gesundheit und Altern beeinflussen.

NFBC1966 wurde 1965–1966 gegründet und hat Personen von vor der Geburt – beginnend während der Schwangerschaft ihrer Mütter – über die Kindheit und das Erwachsenenalter bis ins spätere Leben begleitet. Hierbei handelt es sich um eine Langzeit-Follow-up-Studie mit außergewöhnlich umfassenden Lebensverlaufsdaten über mehr als sechs Jahrzehnte. Nur wenige Studien weltweit kombinieren eine so lange Nachbeobachtungszeit mit biologischen Proben, klinischen Untersuchungen, Umfragedaten, nationalen Gesundheitsregistern und mittlerweile auch digitalen Gesundheitsmessungen.

Finnland bietet aufgrund seiner relativ homogenen Bevölkerung, umfassenden Gesundheitsregistern und hochwertigen Längsschnittdaten einen einzigartig wertvollen Rahmen für langfristige Bevölkerungsforschung und ermöglicht eine genaue Verfolgung gesundheitlicher und sozialer Ergebnisse im Zeitverlauf.

Im Laufe ihrer langen Geschichte hat die NFBC1966-Studie gezeigt, wie die Gesundheit durch ein komplexes Zusammenspiel sozialer, umweltbedingter, biologischer und verhaltensbezogener Faktoren im gesamten Lebensverlauf geprägt wird. Jetzt, da die Teilnehmer 60 Jahre alt sind, erweitert die Studie ihren Fokus auf das Verständnis des Alterns, seiner frühen Anzeichen und darauf, wie frühe Lebensbedingungen die Gesundheit im späteren Leben vorhersagen. Ungefähr 9.800 Kohortenmitglieder (lebend und lebend in Finnland) wurden eingeladen, an der aktuellen Nachuntersuchung teilzunehmen.

Vom frühen Leben bis zum gesunden Altern

Die Bevölkerungsalterung ist eine der entscheidenden Herausforderungen des 21. Jahrhunderts in der westlichen Welt. In Finnland wird erwartet, dass sich der Anteil der über 75-Jährigen innerhalb der nächsten 25 Jahre verdoppelt, ein Trend, der sich in ganz Europa und vielen anderen Regionen widerspiegelt.

Professor Sylvain Sebert, wissenschaftlicher Leiter der NFBC1966-Studie, betont, dass Altern ein natürlicher und kontinuierlicher Prozess ist. Altern ist keine Krankheit und auch nicht gleichbedeutend mit Verfall – es beginnt nicht in einem bestimmten Alter. Er stellt fest, dass gesundes Altern ein Leben lang unterstützt werden kann und als grundlegendes Menschenrecht verstanden werden sollte.

Mithilfe jahrzehntelanger Kohortendaten zielt die NFBC1966-Studie darauf ab, Faktoren zu identifizieren, die die Widerstandsfähigkeit fördern und das Risiko chronischer Erkrankungen verringern. Diese Erkenntnisse können in Präventionsstrategien, Gesundheitsplanung und Gesundheitspolitik – sowohl in Finnland als auch international – einfließen, beispielsweise zur Verbesserung der Frühprävention von Multimorbidität, zur Unterstützung der Funktionsfähigkeit im späteren Leben und zur Führung nachhaltigerer Gesundheitssysteme.

Ungefähr im Alter von 60 Jahren scheint es, dass der Mensch einen Eckpunkt erreicht, an dem viele altersbedingte Prozesse entstehen. Es ist wichtig, detaillierte Informationen zu sammeln, bevor sich diese Veränderungen vollständig durchsetzen, da viele chronische Erkrankungen – wie Krebs, Demenz sowie Herz-Kreislauf-, zerebrovaskuläre und Nierenerkrankungen – in diesem Stadium häufiger auftreten. Wenn wir verstehen wollen, wie gesundes Altern sowohl aus persönlicher Sicht als auch aus Sicht des Gesundheitssystems unterstützt werden kann, ist es wichtig, Menschen zu untersuchen, bevor diese Veränderungen vollständig zum Vorschein kommen.“

Professor Sylvain Sebert, wissenschaftlicher Leiter der NFBC1966-Studie

Jenseits der Klinik: Neue digitale Werkzeuge für die Lebensverlaufsforschung

Das Follow-up im Jahr 2026, Teil des STAGE-Projekts, baut auf traditionellen klinischen Bewertungen auf, indem es die neuesten Gesundheitstechnologien integriert, darunter an der Hüfte getragene Aktivitätstracker, Oura-Ringe, mobile Anwendungen und mögliche physiologische Messungen rund um die Uhr. Diese Tools ermöglichen eine kontinuierliche, objektive Überwachung der täglichen Funktionsfähigkeit, der körperlichen Aktivität, des Schlafs und der Erholung – und erfassen damit Aspekte der Gesundheit, die durch klinische Besuche allein nicht möglich sind.

„Wir tragen zum Verständnis der digitalen Transformation des Gesundheitswesens bei. Durch die Kombination klinischer Besuche mit digitalen Tools erhalten wir ein viel umfassenderes Bild der Gesundheit im gesamten Lebensverlauf“, sagt Professor Sebert.

Eine zentrale Perspektive besteht darin, die integrative Integration digitaler Gesundheitslösungen voranzutreiben, die die Gesundheit unterstützen, ohne soziale oder wirtschaftliche Ungleichheiten zu vergrößern. Durch die Bereitstellung dieser Technologien für die Teilnehmer bietet NFBC1966 ein Modell dafür, wie digitale Tools integrativ in Gesundheitssysteme integriert werden können.

Da NFBC1966 in sein siebtes Jahrzehnt geht, wird es zunehmend von internationaler und multidisziplinärer Zusammenarbeit geprägt. Ein umfangreiches Netzwerk von Forschungsgruppen arbeitet mit den Daten, um unter strengen ethischen und Datenschutzstandards Alterung, Genetik, Stoffwechsel, Kognition sowie die umweltbedingten und sozialen Determinanten der Gesundheit zu untersuchen. Das einzigartige Längsschnittdesign von NFBC1966 bietet Forschern weltweit wertvolle Erkenntnisse darüber, wie sich Gesundheit, Alterung und ihre Determinanten im Laufe des Lebens entwickeln.


Quellen: