Das humane Papillomavirus (HPV) ist weltweit die häufigste sexuell übertragbare Infektion und kann verschiedene Krebsarten verursachen. Die prophylaktische HPV-Impfung ist hochwirksam und wird in der Schweiz seit 2007 für Mädchen und junge Frauen im Alter von 11 bis 26 Jahren – und seit 2015 auch für Jungen und junge Männer – empfohlen. Für Frauen bis zum 45. Lebensjahr besteht auch die Möglichkeit einer Nachholimpfung.

Die HPV-Impfung ist bei Jugendlichen in der ganzen Schweiz gut dokumentiert, mit einer Verbreitung von 71 % bei Mädchen und 49 % bei Jungen zwischen 2020 und 2022. Allerdings sind die Daten zur HPV-Impfung bei Erwachsenen und zu den Faktoren, die ihr Impfverhalten beeinflussen, bisher begrenzt. Eine bundesweite Umfrage des Instituts für Epidemiologie, Biostatistik und Prävention der Universität Zürich hat nun dazu beigetragen, diese Lücke zu schließen.

Deutliche Unterschiede nach Alter und Geschlecht

Die Ergebnisse der Umfrage, die auf verifizierten Impfdaten basierte, zeigen ein klares Muster. Etwas mehr als 27 % der rund 3.850 befragten Erwachsenen im Alter von 18 bis 45 Jahren hatten mindestens eine Dosis des Impfstoffs erhalten. Während fast 59 % der 18- bis 26-Jährigen geimpft sind, sinkt die Quote bei den 27- bis 45-Jährigen auf etwa 16 %.

Auch zwischen den Geschlechtern sind erhebliche Unterschiede zu erkennen: Fast 43 % der Frauen sind geimpft, verglichen mit nur etwa 12 % der Männer.

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Diese Unterschiede sind auf die relativ späte Einführung der HPV-Impfung und die Tatsache zurückzuführen, dass sie zunächst nur für heranwachsende Mädchen empfohlen wurde. Gleichzeitig zeigen sie auf, wo die Impfbemühungen noch verbessert werden können.“

Kyra Zens, Erstautorin der Studie und leitende Forscherin, Universität Zürich

Insgesamt lassen sich die Befragten grob in drei Profile einteilen, je nachdem, wie gut sie über HPV informiert sind und wie sie Impfungen sehen. In der gut informierten Gruppe sind rund 41 % geimpft. Bei denjenigen mit mäßigem Wissen sinkt die Quote auf knapp 14 %, in der Gruppe mit geringem Wissen sinkt sie auf nur 8 %. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass Impfentscheidungen stark davon abhängen, was die Menschen wissen und wie sie die Risiken einschätzen“, sagt Kyra Zens.

Mangelnde Empfehlung von Ärzten

Gespräche mit medizinischem Fachpersonal spielen eine Schlüsselrolle bei der Einführung von Impfungen. Viele Geimpfte gaben an, dass die Empfehlung ihres Arztes ausschlaggebend für ihre Entscheidung gewesen sei. Gleichzeitig gab mehr als die Hälfte der Ungeimpften an, noch nie eine solche Empfehlung erhalten zu haben.

Die Gründe für die Nichtimpfung variieren je nach Gruppe. Personen mit begrenztem Wissen sind oft unsicher über die Bedeutung von HPV und den Nutzen einer Impfung. Im Gegensatz dazu verzichten gut informierte Personen oft auf eine Impfung, weil sie davon ausgehen, dass sie nicht mehr in die empfohlene Altersgruppe fallen oder weil sie keine eindeutige Empfehlung eines Arztes erhalten haben.

Maßgeschneiderte, gezielte Kontaktaufnahme

Die Ergebnisse zeigen auch erhebliches Verbesserungspotenzial. In der gut informierten Gruppe würden rund 60 % der Ungeimpften dennoch über eine Impfung nachdenken. Selbst unter denjenigen mit begrenztem Wissen bleibt etwa jeder Zweite dafür offen. „Die Ergebnisse legen nahe, dass gezielte Information und maßgeschneiderte Kommunikation entscheidend sind. Insbesondere Gespräche im klinischen Alltag bieten eine wichtige Gelegenheit, offene Fragen anzusprechen und Vertrauen aufzubauen“, sagt Kyra Zens.


Quellen:

Journal reference:

Zens, K., et al (2026). Knowledge, Attitudes, and Behaviors Toward Human Papillomavirus Vaccination Among Adults in Switzerland. JAMA Network Open. DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2026.2780. https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2846838.