Ein neues Update der American Gastroenterological Association (AGA) fordert größere Vorsicht, bevor eine Operation bei Patienten mit refraktärer Verstopfung in Betracht gezogen wird, einer schweren, chronischen Form der Verstopfung, die auf Standardbehandlungen nicht anspricht.
Chronische Verstopfung betrifft 8–12 % der Amerikaner. Während es den meisten Patienten mit konventionellen Behandlungen besser geht, bleibt eine kleine, aber anspruchsvolle Untergruppe refraktär. Diese Patienten werden häufig umfangreichen Tests, wiederholten Behandlungen und in einigen Fällen einer Operation unterzogen. Das Update, veröffentlicht in Klinische Gastroenterologie und Hepatologiebetont, dass eine Operation als letztes Mittel betrachtet und nur nach einer umfassenden, individuellen Beurteilung durchgeführt werden sollte.
Bei Patienten, deren Symptome anhalten, wird häufig eine Kolektomie – die chirurgische Entfernung eines Teils oder des gesamten Dickdarms – in Betracht gezogen. AGA warnt davor, dass dieser Ansatz erhebliche Risiken birgt und nicht dauerhaft zu einer Linderung der Symptome führt.
Studien zeigen, dass eine Kolektomie bei Verstopfung mit einer hohen Komplikationsrate verbunden ist, darunter Darmverschluss, anhaltende Bauchschmerzen, Blähungen, wiederkehrende Verstopfung und anhaltende Abhängigkeit von Abführmitteln. Daher ermutigen die neuen Leitlinien Ärzte, alle geeigneten nicht-chirurgischen Optionen auszuschöpfen und die zugrunde liegende Ursache der Symptome zu bestätigen, bevor sie eine Operation in Betracht ziehen.
Das Update enthält 14 Ratschläge zu bewährten Verfahren, die Ärzten dabei helfen sollen, refraktäre Verstopfung genau zu diagnostizieren und zu behandeln und zu ermitteln, welche Patienten gegebenenfalls von einem chirurgischen Eingriff profitieren können.
Wichtige Erkenntnisse:
- Refraktäre Verstopfung ist selten und Ärzte sollten zunächst behandelbare sekundäre Ursachen wie Nebenwirkungen von Medikamenten, neurologische Erkrankungen oder Stuhlgangsstörungen ausschließen.
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Bevor eine Operation in Betracht gezogen wird, sollten sich Patienten ausreichenden Tests mit rezeptfreien und von der FDA zugelassenen Medikamenten sowie nichtmedikamentösen Therapien unterziehen.
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Eine Operation sollte erst dann besprochen werden, wenn eine langsame Darmpassage bestätigt und Probleme mit der Beckenbodenfunktion ausgeschlossen sind.
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Erkrankungen wie Motilitätsstörungen des oberen Gastrointestinaltrakts, unbehandelte psychiatrische Erkrankungen oder Symptome, die von Blähungen und Bauchschmerzen geprägt sind, können auf schlechte Operationsergebnisse hinweisen und gelten als relative Kontraindikationen für eine Operation.
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Psychologische Faktoren können die Schwere der Symptome und die Genesung erheblich beeinflussen, sodass die präoperative psychologische Beurteilung ein wichtiger Teil der Entscheidungsfindung ist.
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In komplexen oder unsicheren Fällen kann ein temporäres Stoma dabei helfen, festzustellen, ob ein Patient wahrscheinlich von einer dauerhaften Operation profitieren wird.
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Die Kolektomie mit ileorektaler Anastomose sollte nur sorgfältig ausgewählten Patienten ohne bestehende Defäkationsstörungen angeboten werden.
Letztendlich wird in den neuen Leitlinien betont, dass Entscheidungen über eine Operation von Fall zu Fall getroffen werden sollten und sich dabei an erfahrenen Klinikern und der Gesamtheit der verfügbaren Erkenntnisse orientieren sollten – und nicht nach einem einheitlichen Ansatz.
Das Update unterstreicht eine wichtige Botschaft für Patienten und Anbieter gleichermaßen: Bei refraktärer Verstopfung können eine gründliche Diagnose und eine durchdachte Planung dazu beitragen, unnötige Operationen zu vermeiden und die langfristigen Ergebnisse zu verbessern.
Quellen:
AGA Clinical Practice Update on Evaluation and Management of Refractory Constipation: Expert Review, Clinical Gastroenterology and Hepatology (2026). DOI: 10.1016/j.cgh.2025.09.031