Temporallappenepilepsie (TLE) ist die häufigste Form der fokalen Epilepsie und betrifft einen erheblichen Anteil der Patienten, die eine arzneimittelresistente Epilepsie entwickeln. Chirurgische Eingriffe, insbesondere die Stereoelektroenzephalographie (SEEG)-gesteuerte Temporallappenresektion (TLR) und die SEEG-gesteuerte responsive Neurostimulation (RNS), haben sich als zentrale Behandlungsoptionen herausgestellt. Diese systematische Überprüfung zielt darauf ab, die Wirksamkeit, Sicherheit und Lebensqualität (QoL) im Zusammenhang mit diesen beiden Interventionen bei Erwachsenen mit arzneimittelresistentem TLE zu vergleichen.
Die Überprüfung folgte den PRISMA 2020-Richtlinien, wobei von Januar bis Februar 2025 eine umfassende Literaturrecherche in mehreren Datenbanken durchgeführt wurde. Geeignete Studien umfassten erwachsene Patienten (≥ 18 Jahre) mit arzneimittelresistenter TLE, die sich einer SEEG-gesteuerten TLR oder RNS unterzogen, wobei präoperatives SEEG zur Lokalisierung verwendet wurde. Zu den primären Endpunkten gehörten Anfallsfreiheit, Anfallsreduktion, unerwünschte Ereignisse und Verbesserungen der Lebensqualität. Die Qualitätsbewertung erfolgte mithilfe des Cochrane Risk of Bias Tool für randomisierte Studien und der Newcastle-Ottawa-Skala für Beobachtungsstudien.
Fünfzehn Studien erfüllten die Einschlusskriterien und umfassten Stichprobengrößen zwischen 10 und 440 Teilnehmern. Zu den wichtigsten Erkenntnissen gehören:
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Anfallsfreiheit: Die SEEG-gesteuerte TLR erreichte eine durchschnittliche Anfallsfreiheitsrate von 58,5 % (Bereich: 32–85 %), während SEEG-gesteuertes RNS dazu führte 12,85 % Anfallsfreiheit im Durchschnitt.
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Reduzierung von Anfällen: TLR zeigte eine mittlere Anfallsreduktion von 75 % (Bereich: 60–90 %), im Vergleich zu 63,2 % für RNS.
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Lebensqualität: Verbesserungen der Lebensqualität wurden gemeldet 72–82 % von TLR-Patienten und 44 % von RNS-Patienten.
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Sicherheit: Beide Interventionen zeigten starke Sicherheitsprofile. TLR war mit vorübergehenden Gedächtnisdefiziten (12 %) und leichten Infektionen (8 %) verbunden. RNS hatte häufiger gerätebezogene Probleme, darunter Elektrodenrevisionen (10 %) und kleinere Infektionen (4 %). Die kognitiven Ergebnisse blieben mit RNS besser erhalten.
Diskussion
Die Überprüfung hebt hervor, dass die SEEG-gesteuerte TLR eine überlegene Anfallsfreiheit und Reduktionsraten bietet, was sie zu einer äußerst wirksamen Option für Patienten mit gut lokalisierten epileptogenen Zonen macht. Es birgt jedoch das Risiko eines kognitiven Rückgangs, insbesondere bei Resektionen der dominanten Hemisphäre. Im Gegensatz dazu bietet RNS eine signifikante Anfallsreduktion bei gleichzeitiger Erhaltung der kognitiven Fähigkeiten, was es zu einer wertvollen Alternative für Patienten mit bilateralem Beginn, eloquenter Kortexbeteiligung oder früheren fehlgeschlagenen Resektionen macht.
Der direkte Vergleich der Ergebnisse wird durch inhärente Unterschiede in den Patientenpopulationen eingeschränkt – RNS-Kohorten umfassen häufig komplexere Fälle. Beide Interventionen verbessern die Lebensqualität, es mangelt jedoch weiterhin an einer Standardisierung der Lebensqualitätsbewertung. Eine individuelle Behandlungsplanung ist unerlässlich, um Anfallskontrolle, kognitive Risiken und patientenzentrierte Ergebnisse in Einklang zu bringen.
Einschränkungen und zukünftige Richtungen
Bei den meisten eingeschlossenen Studien handelte es sich um Beobachtungsstudien mit nur zwei randomisierten kontrollierten Studien, was die Aussagekraft vergleichender Schlussfolgerungen einschränkte. Auch unterschiedliche Ergebnisdefinitionen und Berichterstattung erschweren die Synthese. Zukünftige Forschung sollte sich auf Folgendes konzentrieren:
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Standardisierte Ergebnismetriken für Anfallsfreiheit und Lebensqualität.
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Langfristige prospektive Studien zu kognitiven und psychiatrischen Ergebnissen.
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Untersuchung demografischer und sozioökonomischer Faktoren, die das Ansprechen auf die Behandlung beeinflussen.
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Systematische Meldung gerätebedingter Komplikationen zur Verfeinerung klinischer Richtlinien.
Schlussfolgerungen
SEEG-gesteuerte TLR und RNS sind sowohl wirksame als auch sichere Interventionen bei arzneimittelresistentem TLE mit unterschiedlichen Profilen: TLR bietet eine höhere Anfallsfreiheit, während RNS die kognitive Funktion erhält. Die Behandlung sollte auf der Grundlage patientenspezifischer Faktoren personalisiert werden, einschließlich Anfallslokalisation, kognitiven Risiken und Lebensqualitätsprioritäten. Zukünftige Studien sollten langfristige Ergebnisse priorisieren und Patientenauswahlkriterien verfeinern, um die Epilepsieversorgung zu optimieren.
Quellen:
Ali, M., et al. (2025). Safety and Efficacy of Stereoelectroencephalography-guided Resection and Responsive Neurostimulation in Drug-resistant Temporal Lobe Epilepsy: A Systematic Review. Exploratory Research and Hypothesis in Medicine. DOI: 10.14218/erhm.2025.00035. https://www.xiahepublishing.com/2472-0712/ERHM-2025-00035