In ländlichen Regionen Afrikas bleibt Bluthochdruck oft unbehandelt, da Gesundheitszentren weit entfernt sind und es an medizinischem Fachpersonal mangelt. Eine Studie in Lesotho zeigt, dass Dorfbewohner, die eine Schulung erhalten haben, mit Hilfe einer Tablet-App eine bessere Blutdruckkontrolle in ihrer Dorfgemeinschaft erreichen als mit einer normalen Behandlung in Gesundheitseinrichtungen. Die Ergebnisse liefern die ersten belastbaren Daten für einen Ansatz, der den Zugang zur Blutdruckbehandlung in unterversorgten Regionen deutlich verbessern könnte. Die Studie wurde von der Universität Basel und der Schweizer Non-Profit-NGO SolidarMed durchgeführt.
Hoher Blutdruck ist weltweit eine der Hauptursachen für Herzinfarkte und Schlaganfälle. In vielen Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen bleibt ein großer Teil der Betroffenen unbehandelt. Der Zugang zur Behandlung von Bluthochdruck ist aufgrund unzureichender medizinischer Versorgung insbesondere in abgelegenen Gebieten stark eingeschränkt. Dazu gehört auch der kleine Gebirgsstaat Lesotho im südlichen Afrika.
Die Übernahme medizinischer Aufgaben durch speziell ausgebildete Laien gilt als vielversprechender Ansatz, verlässliche Studien zur Behandlung von Bluthochdruck liegen bislang jedoch nicht vor. Ein Forschungsteam der Universität Basel unter der Leitung von Professor Niklaus Labhardt und Dr. Alain Amstutz hat dies nun gemeinsam mit SolidarMed, dem Gesundheitsministerium von Lesotho und der National University of Lesotho untersucht. Die Ergebnisse werden in veröffentlicht Naturmedizin.
Tablet-App führt Laien durch die Behandlung
Im Rahmen der Studie testeten 103 geschulte Laien über einen Zeitraum von fünf Monaten mehr als 6.600 Menschen in ihren Dörfern auf Bluthochdruck. Sie identifizierten mehr als 1.200 Menschen mit hohem Blutdruck, von denen mehr als 500 medizinisch problematische Werte aufwiesen. Rund die Hälfte der Patienten mit Bluthochdruck erhielten anschließend eine blutdrucksenkende Therapie, die von medizinischem Fachpersonal nach klaren Protokollen und mit digitaler Entscheidungsunterstützung verordnet wurde.
Eine Tablet-basierte App zur klinischen Entscheidungsfindung unterstützte die medizinischen Laien in der Studie dabei, die Medikamentendosis der blutdrucksenkenden Medikamente Amlodipin und Hydrochlorothiazid für jeden Patienten nach klaren Richtlinien anzupassen. In den folgenden Wochen passten sie bei regelmäßigen Kontrolluntersuchungen die Therapie optimal an. Patienten mit hohem Blutdruck in der Kontrollgruppe wurden wie gewohnt von medizinischem Fachpersonal in Gesundheitseinrichtungen behandelt.
Insgesamt erzielte die Pflege durch Laien im Gesundheitswesen bessere Ergebnisse als die übliche Behandlung in Gesundheitseinrichtungen. Gleichzeitig fanden die Forscher keine relevanten Unterschiede bei schwerwiegenden Nebenwirkungen oder Komplikationen zwischen den beiden Gruppen. Das laiengestützte Modell war daher genauso sicher wie die übliche Behandlung. Die Studie zeigt, dass das laiengestützte Modell in abgelegenen Regionen besser funktionieren kann als die Standardversorgung in oft weit entfernten Gesundheitseinrichtungen.
Nach einer zweiwöchigen Schulung sind Laiengesundheitshelfer aus dem Dorf mit digitaler Unterstützung bestens für die Betreuung von Menschen mit Bluthochdruck gerüstet. Dies kann die Behandlungssituation für viele Blutdruckpatienten deutlich verbessern.“
Professor Niklaus Labhardt, Co-Leiter der Studie, Universität Basel
Im nächsten Schritt untersuchen die Forscher die Kostenvorteile dieses Pflegeansatzes.
Bedeutung für Gesundheitssysteme in Ländern mit einem Mangel an qualifizierten Gesundheitsfachkräften
Die Ergebnisse aus Lesotho zeigen, wie ein Task-Shifting-Ansatz in der Praxis umgesetzt werden kann: Laiengesundheitsfachkräfte werden gezielt geschult, werden engmaschig betreut und arbeiten mit klaren Protokollen und digitaler Entscheidungsunterstützung. Dadurch kann die Behandlung näher an den Menschen gebracht werden – und die Gesundheitseinrichtungen werden entlastet.
„Jede kleine Blutdrucksenkung verringert das Risiko eines späteren Schlaganfalls oder Herzinfarkts“, sagt Labhardt. SolidarMed setzte das Modell gemeinsam mit den Gesundheitsbehörden in Lesotho um, überwachte die Ausbildung und Supervision und sorgte für die Integration in das bestehende Gesundheitssystem.
„Durch die Zusammenarbeit mit SolidarMed haben wir gelernt, dass der Einsatz geschulter kommunaler Gesundheitshelfer für Screening, Frühdiagnose und Nachsorge die Krankenhauseinweisungen reduzieren und den Zugang zur Gesundheitsversorgung für unterversorgte ländliche Gemeinden verbessern kann“, sagt Dr. Lebohang Sao, Bezirksarzt in Butha-Buthe, Gesundheitsministerium, Lesotho.
„Ausgebildete Laien sind in vielen Ländern ein wichtiger Bestandteil der Grundversorgung“, sagt Jochen Ehmer, Ärztlicher Leiter von SolidarMed. „Die Studie zeigt, dass sie mit den richtigen Leitlinien und digitaler Unterstützung auch bei der Versorgung chronischer Krankheiten wie Bluthochdruck sicher helfen können.“
Die Studie ist Teil des mehrjährigen Forschungsprogramms Community Based Chronic Care Lesotho (ComBaCaL), einer angewandten Forschungskooperation zwischen der Schweiz und Lesotho. ComBaCaL wird von TRANSFORM finanziert, einem Programm der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA).
„ComBaCaL liefert solide wissenschaftliche Erkenntnisse und leistet damit einen wesentlichen Beitrag zur Wirkung der internationalen Zusammenarbeit“, sagt Martina Schmidt, Leiterin der DEZA-Forschung. „Projekte wie diese sind im aktuellen entwicklungspolitischen Kontext besonders wichtig.“
Quellen:
Gerber, F., et al. Lay community health worker-led care with mobile decision support for uncontrolled hypertension: a cluster-randomized trial. Nature Medicine. DOI: 10.1038/s41591-026-04208-w. https://www.nature.com/articles/s41591-026-04208-w