Pflegekräfte sind zunehmend überlastet. Dies gilt insbesondere in Pflegeheimen und in der häuslichen Pflege, wie die Ergebnisse der aktuellen Pflegebefragung zeigen.

Mehr als 18.000 Pflegekräfte haben Fragen dazu beantwortet, wie sie ihren Arbeitsalltag erleben, mit besonderem Schwerpunkt auf dem psychosozialen Arbeitsumfeld.

Die Umfrage zeigt, dass Kommunen in Norwegen unterfinanziert sind. „Die Personalausstattung steht in keinem Verhältnis zu den zu erledigenden Aufgaben“,

Solveig Osborg Ose

Ose ist ein leitender Forschungswissenschaftler und hat die Arbeit mit der großen Pflegekohorte geleitet, die SINTEF im Auftrag des norwegischen Krankenpflegerverbandes (NSF) eingerichtet hat.

Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass viele Pflegekräfte im vergangenen Jahr eine erhöhte Arbeitsbelastung erlebt haben, insbesondere in kommunalen Pflegeheimen, häuslichen Pflegediensten sowie Wohn- und Pflegeeinrichtungen.

„Viele Pflegekräfte stehen unter großem Druck, die Arbeitsbelastung ist in den Kommunen am größten. Gleichzeitig gibt die Hälfte der Pflegefachkräfte an, im vergangenen Jahr Personalkürzungen erlebt zu haben“, sagt Ose.

Schwierig zu rekrutieren

Mehr als 60 Prozent der Pflegemanager geben an, dass sie Pflegestellen in kommunalen Pflegeheimen und ambulanten Pflegediensten unbesetzt haben. Dies führt zu einem großen Druck auf die in diesen Diensten tätigen Pflegekräfte. Ose ist klar, dass die Personalausstattung in den Kommunen gestärkt werden muss.

„Viele Kommunen tun sich schwer, Krankenpfleger zu rekrutieren. Einige entscheiden sich schließlich dafür, Menschen mit geringeren Qualifikationen einzustellen. Aber das verschärft nur das Problem für die Krankenpfleger, die bereits dort sind. Wir müssen aufhören zu denken, dass es darum geht, mehr Hände in den Dienst zu stellen. Was wir brauchen, sind Köpfe und Gehirne, Krankenpfleger mit Fachwissen“, sagt der SINTEF-Forscher.

Es müssen bessere Konditionen angeboten werden

Um die Einstellung von Mitarbeitern zu erleichtern, sollten Kommunen bessere Arbeitsbedingungen bieten. Personalpläne und -schichten müssen zu erwartende Abwesenheiten berücksichtigen, und Arbeitgeber sollten eine Mindestbesetzung vermeiden, die die Arbeitnehmer überlastet. Arbeitgeber müssen Belastungen vermeiden, die gesundheitliche Probleme verursachen und zu Krankheitsausfällen führen, indem sie beispielsweise Schichten mit nur kurzen Ruhezeiten dazwischen einplanen.

Ose weist auch auf höhere Löhne als Interventionsmittel hin.

„Hier geht es um einfache Marktmechanismen. Viele Pflegekräfte würden sich auch eine Entlastung wünschen. Auch eine Aufstockung des Personals und bessere Wochenendzulagen könnten das Arbeiten am Wochenende attraktiver machen.“

Auch die Küche muss gereinigt werden

Neben der Besetzung vakanter Pflegestellen sollte vorrangig darauf geachtet werden, mehr Betreuungspersonal für die Dienste zu gewinnen. Viele Pflegekräfte berichten, dass sie Aufgaben erledigen, die ihrer Meinung nach von anderen erledigt werden sollten, etwa Putzen, Arbeiten in der Küche und Verwaltungsaufgaben. In öffentlichen Fachgesundheitsdiensten beispielsweise geben mehr als die Hälfte an, dass sie täglich oder wöchentlich Aufgaben erledigen, die das Reinigungspersonal hätte erledigen sollen.

Der Bericht deckt erhebliche Defizite in der HSE-Arbeit von Pflegekräften auf. Arbeitgeber sind verpflichtet, die Bedingungen der Arbeitsumgebung regelmäßig zu überprüfen und das Risiko gesundheitlicher Probleme aufgrund der Arbeit einzuschätzen. Allerdings geben knapp 60 Prozent der Pflegekräfte an, dass dies nicht der Fall ist. Über die Hälfte der Pflegekräfte gibt an, dass sie keine Verfahren für den Umgang mit anstößigem Verhalten am Arbeitsplatz haben.

„Mitarbeiter brauchen Schutz, um Überlastung und daraus resultierende Gesundheitsprobleme zu vermeiden. Dafür sollen HSE und interne Kontrolle sorgen. Wir stellen fest, dass diese Arbeit im öffentlichen Sektor im Vergleich zum privaten Sektor recht unzureichend ist“, sagt Ose.

Mangel an Schutz – und Inklusion

Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass viele Pflegekräfte und Mitarbeiter unzureichend geschützt sind.

„Wir sehen, dass in Berufen, in denen man mit Menschen arbeitet, die HSE-Arbeit nicht an die tatsächlichen Belastungen angepasst wurde“, sagt Ose.

Die Umfrage zeigt, dass die Zusammenarbeit zwischen den Parteien am Arbeitsplatz gestärkt werden muss. Dies könnte zu einer wirksameren präventiven HSE-Arbeit beitragen. Ose ist außerdem der Meinung, dass die Mitarbeiter besser für technologische Entwicklungen geschult werden müssen.

„Viele Pflegekräfte sind nur minimal beteiligt, wenn neue Technologien oder neue Lösungen entwickelt und implementiert werden. Eine bessere Zusammenarbeit zwischen den Parteien kann dazu beitragen, dass Mitarbeiter stärker an technologischen Entwicklungen an verschiedenen Arbeitsplätzen teilhaben. Dies könnte zu besseren Lösungen führen und die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass ihre Implementierung erfolgreich ist“, sagt Ose.

Zehnjährige Nachuntersuchung geplant

Die Befragung bildet die Grundlage für eine Langzeitstudie zu den Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen.

„Wir werden diese Stichprobe nun über einen Zeitraum von zehn Jahren verfolgen. Diese erste Umfrage ergab, dass unter den Befragten eine gewisse Dominanz älterer Pflegekräfte zu verzeichnen war, und wir werden Möglichkeiten vorstellen, auch mehr jüngere Mitarbeiter in unsere weitere Arbeit einzubeziehen“, sagt Ose.


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