Körperliche Fitness und psychische Belastbarkeit entwickeln sich parallel im Jugendalter, einer Lebensphase, die den Grundstein für die Gesundheit von Erwachsenen legt. Kardiorespiratorische Ausdauer, Muskelkraft und Beweglichkeit sind bekannte Prädiktoren für die kardiometabolische Gesundheit, während Selbstwirksamkeit, definiert als der Glaube an die eigene Fähigkeit, Herausforderungen zu meistern, Motivation, Ausdauer und Bewältigungsstrategien beeinflusst.
Obwohl beide unabhängig voneinander mit einem gesünderen Lebensstil und einem verbesserten Wohlbefinden in Verbindung gebracht werden, wurde der Frage, wie sie sich gegenseitig beeinflussen könnten, weniger Aufmerksamkeit geschenkt. Das Verständnis dieses Zusammenhangs ist besonders wichtig, da Sitzverhalten, Bildschirmbelastung und psychische Gesundheitsprobleme bei jungen Menschen weltweit weiter zunehmen.
In diesem Zusammenhang untersuchte ein Forschungsteam unter der Leitung von Dr. José Francisco López-Gil, Postdoktorand an der Medizinischen Fakultät der Universidad Espíritu Santo, Samborondón, Ecuador, ob körperliche Fitness und Selbstwirksamkeit bei Jugendlichen miteinander verbunden sind.
Anhand der Daten von 618 Jungen und Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren, die an der EHDLA-Studie (Eating Habits and Daily Living Activities) in der Region Murcia, Spanien, teilnahmen, untersuchte das Team, ob eine stärkere körperliche Fitness ein höheres Selbstvertrauen vorhersagt und ob das Selbstvertrauen wiederum eine bessere Fitnessleistung vorhersagt. Die Studie wurde am 9. Februar 2026 in der Zeitschrift veröffentlicht Pädiatrische Untersuchung.
Die Forscher führten eine Querschnittsanalyse mit validierten und objektiven Maßnahmen durch. Die körperliche Fitness wurde mit der ALPHA-FIT-Batterie (Assessing Levels of Physical Activity and Fitness) bewertet, die den 20-Meter-Shuttle-Run-Test für die kardiorespiratorische Fitness, den stehenden Weitsprung für die Kraft des Unterkörpers, einen Handgriff-Dynamometer für die Kraft des Oberkörpers, einen kurzen Shuttle-Sprint zur Beurteilung von Geschwindigkeit und Beweglichkeit sowie den Sit-and-Reach-Test für die Flexibilität umfasste.
Die Selbstwirksamkeit wurde anhand der spanischen Version der Allgemeinen Selbstwirksamkeitsskala gemessen. Statistische Modelle wurden hinsichtlich Alter, Geschlecht, sozioökonomischem Status, Body-Mass-Index, körperlicher Aktivität, sitzender Zeit, Schlafdauer und Energieaufnahme angepasst, um belastbare Ergebnisse zu gewährleisten.
Die Analyse ergab bescheidene, aber konsistente bidirektionale Zusammenhänge. Jugendliche mit höherer kardiorespiratorischer Fitness, größerer Muskelkraft im Unterkörper und besserer Schnelligkeits-Agilitätsleistung berichteten von einer stärkeren Selbstwirksamkeit. Umgekehrt schnitten diejenigen mit höheren Selbstwirksamkeitswerten in denselben dynamischen Fitnessbereichen tendenziell besser ab. Flexibilität und Griffstärke des Oberkörpers zeigten keine eindeutigen Zusammenhänge.
Unsere Ergebnisse legen nahe, dass körperliche Leistungsfähigkeit und Selbstvertrauen keine isolierten Merkmale, sondern miteinander verbundene Elemente der jugendlichen Entwicklung sind. Wenn junge Menschen bei körperlich anspruchsvollen Aufgaben Erfolg haben, kann diese körperliche Beherrschung ihr Selbstvertrauen stärken, was wiederum zu weiterem Engagement anregt.“
Dr. José Francisco López-Gil, leitender Postdoktorand, Fakultät für Medizin, Universidad Espíritu Santo
Die Auswirkungen gehen über den Sportunterricht hinaus. Kurzfristig könnte die Integration strukturierter Fitnessprogramme mit Strategien zum Aufbau psychologischer Fähigkeiten wie Zielsetzung, positiver Verstärkung und progressiven Herausforderungen die Motivation der Schüler steigern, aktiv und belastbar zu bleiben.
Schulen können von der Zusammenarbeit zwischen Sportlehrern, Psychologen und Fachleuten des öffentlichen Gesundheitswesens profitieren, um Programme zu entwickeln, die sowohl die körperliche als auch die geistige Dimension gleichzeitig ansprechen. Solche interdisziplinären Partnerschaften könnten auch in zukünftige Längsschnittforschung einfließen, die untersucht, wie sich diese Beziehungen im Laufe der Zeit und in verschiedenen kulturellen Kontexten entwickeln.
In fünf bis zehn Jahren könnten die Auswirkungen erheblich sein. Jugendliche, die sowohl eine starke körperliche Fitness als auch eine ausgeprägte Selbstwirksamkeit entwickeln, können eher einen aktiven Lebensstil führen und so das langfristige Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettleibigkeit und Typ-2-Diabetes verringern.
Gleichzeitig kann ein gestärktes Selbstvertrauen die akademische Beharrlichkeit, die emotionale Regulierung und die psychische Gesundheit unterstützen.
„Die Pubertät ist ein entscheidendes Fenster für die Entwicklung lebenslanger Gewohnheiten“, fügte Dr. López-Gil hinzu. „Wenn wir sowohl körperliche Fitness als auch Selbstwirksamkeit gemeinsam fördern, können wir eine Generation stärken, die nicht nur gesünder, sondern auch besser in der Lage ist, die Herausforderungen des Lebens zu meistern.“
Zusammenfassend zeigt diese Studie einen wechselseitigen Zusammenhang zwischen Schlüsselkomponenten der körperlichen Fitness und der allgemeinen Selbstwirksamkeit bei Jugendlichen auf. Während das Querschnittsdesign kausale Schlussfolgerungen einschränkt, unterstreichen die konsistenten bidirektionalen Zusammenhänge den Wert ganzheitlicher Jugendgesundheitsstrategien. Durch die Verknüpfung von körperlichem Training mit vertrauensbildenden Interventionen können Pädagogen, Forscher und politische Entscheidungsträger dazu beitragen, gesündere Entwicklungspfade zu fördern, die bis weit ins Erwachsenenalter reichen.
Quellen:
Montenegro-Espinosa, J. A., et al. (2026). Mutual associations between self-efficacy and physical fitness in Spanish adolescents: The EHDLA study. Pediatric Investigation. DOI: 10.1002/ped4.70044. https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/ped4.70044.



