Eine neue Datenbank, die auf chronische Harnwegsinfektionen (HWI) abzielt – eine lange Zeit übersehene Erkrankung, die bereits im Kindesalter auftreten kann – soll Forschern dabei helfen, herauszufinden, warum Millionen von Frauen und Mädchen weltweit an Infektionen leiden, die sich einer Behandlung entziehen und Mikrobiologen verblüffen.

Immer mehr Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass hartnäckige, antibiotikaresistente Harnwegsinfektionen durch Bakterien verursacht werden können, die sich tief in der Blasenwand festsetzen und möglicherweise sowohl dem Immunsystem als auch konventionellen Behandlungen entgehen.

Dieses als intrazelluläre Bakterienbesiedlung bekannte Phänomen ist nicht neu, sondern eine medizinische Fallstudie eines Kindes mit chronischen Infektionen, veröffentlicht von der Amerikanische Gesellschaft für Mikrobiologie und unter der Leitung von Forschern der University of Sydney könnte zeigen, wie unterschätzt seine langfristigen Auswirkungen sein könnten.

Die Fallstudie zeigte, dass keine Antibiotikatherapie, selbst aggressive Langzeitbehandlungen, in der Lage war, die Infektion zu beseitigen, da die Bakterien in der inneren Auskleidung der Blase, wissenschaftlich als Epithel bekannt, eingebettet waren. Die Proben des Patienten zeigten trotz jahrelanger Behandlung keine Besserung, was Bedenken hinsichtlich aktueller klinischer Ansätze aufkommen lässt, die sich nach wie vor auf Antibiotikatherapie und Diathermie beschränken – eine chirurgische Technik, bei der Wärme von elektrischem Strom zum Schneiden oder Koagulieren der Blasenschleimhaut genutzt wird – und die bei wiederholter Anwendung ein erhöhtes Risiko für die Krebsentstehung birgt.

Die leitende Forscherin Dr. Arthika Manoharan vom Charles Perkins Center und der School of Medical Sciences sagte, dass es Fälle von Mädchen im Alter von fünf Jahren gebe, die jahrelang mit Antibiotika behandelt würden und oft einen Rückfall erleiden, sobald die Behandlung abgebrochen werde.

Als Ergebnis der veröffentlichten Fallstudie werden Kinder unter 15 Jahren im Mittelpunkt der von Dr. Manoharan erstellten neuen Datenbank stehen, die verstehen soll, warum manche Menschen chronische Harnwegsinfekte entwickeln. Sie hofft, dass dies dazu beitragen wird, die lange gehegte Annahme zu widerlegen, dass Harnwegsinfekte mit sexueller Aktivität zusammenhängen, und eine Form medizinischer Frauenfeindlichkeit aufdeckt, die die Auswirkungen der Erkrankung auf Frauen und Mädchen lange Zeit minimiert hat.

Oft denken Menschen, dass Harnwegsinfekte nur erwachsene Frauen betreffen, die sexuell aktiv sind, was jedoch nicht der Fall ist. Es gibt viele Fälle, in denen dieses Problem bereits in der Kindheit beginnt, ohne dass es eine klare Ursache gibt. Dies kann einen enormen Einfluss auf ihre Lebensqualität haben, wenn sie doch lieber zur Schule gehen, Sport treiben und einfach nur Kinder sein sollten.“

Dr. Arthika Manoharan vom Charles Perkins Center und der School of Medical Sciences

„Die längerfristigen Folgen anhaltender Harnwegsinfekte können schwerwiegend sein. Manche Frauen sehen ihre Beschäftigung aufgrund chronischer Inkontinenz beeinträchtigt, andere sind nicht in der Lage, eine sexuelle Beziehung aufrechtzuerhalten. Viele äußern das gleiche Gefühl: In einem Moment geht es dir gut, im nächsten hast du Schmerzen und kannst das Haus nicht verlassen.“

Das Forschungsteam hofft, dass die neue Datenbank dabei helfen wird, herauszufinden, ob die Umgehung des Immunsystems oder eine genetische Veranlagung erklären könnten, warum manche Kinder chronische Harnwegsinfekte entwickeln, während andere nicht.


Quellen:

Journal reference:

Manoharan, A., et al. (2026). Severe chronic UTI sustained by clinically undetected intracellular Escherichia coli in a pediatric patient. ASM Case Reports. DOI: 10.1128/asmcr.00077-25. https://journals.asm.org/doi/10.1128/asmcr.00077-25