Trotz wirksamer HIV-Medikamente bleibt das Immunsystem von HIV-Infizierten langfristig gestört. Forscher am Amsterdamer UMC untersuchten, ob diese Dysregulation verhindert werden kann, indem unmittelbar nach der Infektion, also innerhalb weniger Tage, mit der HIV-Medikation begonnen wird.

Sie stellten fest, dass das Immunsystem sechs Monate nach dieser frühen Behandlung tatsächlich wie bei Menschen ohne HIV funktionierte. Doch längerfristig wurde das Immunsystem erneut gestört. Das zeigen Untersuchungen der Amsterdam UMC, die in der Fachzeitschrift veröffentlicht wurden EBioMedizin.

Eine frühzeitige Behandlung schützt das Immunsystem nur vorübergehend

Für diese Studie untersuchten die Wissenschaftler das Immunsystem von Männern mit HIV, die unmittelbar nach der Infektion mit der Einnahme von HIV-Medikamenten begannen (akute HIV-Infektion) und verglichen es mit Menschen, die erst später – in der chronischen Phase – mit der Einnahme von HIV-Medikamenten begannen. Auch das Immunsystem wurde mit dem von Menschen ohne HIV verglichen. Die Forscher untersuchten vor allem die Rolle bestimmter Immunzellen, sogenannter Monozyten, die für die Erstabwehr gegen Viren wichtig sind.

Die Forschung zeigt, dass Menschen, die in der akuten Phase mit der Einnahme von HIV-Medikamenten beginnen, zu Beginn noch über ein gut funktionierendes Immunsystem verfügen. Diese Immunantwort ähnelt der von Menschen ohne HIV. Doch drei Jahre nach Beginn der Behandlung sind die Immunzellen nicht mehr funktionsfähig, wie Blutuntersuchungen zeigen. Die Zellen reagieren dann nicht mehr wie bei gesunden Menschen: Die Produktion wichtiger entzündungsfördernder Proteine ​​lässt nach.

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Wichtige Entdeckung für die HIV-Versorgung und -Forschung

Dieser Befund ist bemerkenswert, denn bisher ging man davon aus, dass eine sehr frühe Gabe von HIV-Inhibitoren tatsächlich eine dauerhafte Schädigung des Immunsystems verhindert. Die aktuellen Ergebnisse zeigen jedoch, dass dieser Vorteil nur vorübergehend ist. Godelieve de Bree, Internistin und Infektiologin an der Amsterdam UMC: „Unsere Forschung zeigt, dass es nach einer akuten HIV-Infektion einen begrenzten Zeitraum gibt, in dem das Immunsystem noch normal reagiert, dieser Schutz jedoch im Laufe der Jahre auch bei erfolgreicher Behandlung verschwindet. Das macht deutlich, dass es bei HIV-Infektion und -Behandlung wichtig ist, weiterhin nach Möglichkeiten zu suchen, das Immunsystem wirklich nachhaltig zu schützen.“

Auch Theo Geijtenbeek, Professor für Immunologie an der Amsterdam UMC, betont die Bedeutung dieser Entdeckung.

Das ist wirklich neu. Unsere Ergebnisse zeigen, dass eine frühzeitige Behandlung zwar vorübergehende Vorteile bringt, aber auch nach einigen Jahren immer noch eine Fehlregulation im Immunsystem auftritt. Unsere Ergebnisse zeigen, dass das sogenannte „Window of Opportunity“, in dem das Immunsystem gut reagiert, wahrscheinlich erst in den ersten Monaten nach der Infektion liegt.“

Theo Geijtenbeek, Professor für Immunologie, Universitätsklinikum Amsterdam

Auswirkungen auf die Behandlung und Folgeforschung

Dies erfordert neue Behandlungssysteme, die das Immunsystem auch längerfristig schützen. Weitere Untersuchungen müssen zeigen, warum dies geschieht und wie diese Störung verhindert werden kann. „Diese Erkenntnisse sind relevant für die zukünftige HIV-Behandlung“, sagt de Bree. „Wir müssen uns auf einen besseren Schutz des Immunsystems konzentrieren, auch nach der ersten Periode.“


Quellen: