Neue IVF-Erkenntnisse deuten darauf hin, dass eine kürzere Befruchtung die Herausforderungen im Labor verringern und die Zahl der abgebrochenen Zyklen verringern kann, ohne dass der Erfolg bei der Lebendgeburt darunter leidet, was potenzielle Sicherheit für Patientinnen mit begrenzter Eizellenausbeute bietet.

In einer kürzlich in der Zeitschrift veröffentlichten Studie Grenzen in der EndokrinologieForscher verglichen Kurzzeit- und Übernachtbefruchtungsmethoden während In-vitro-Fertilisationszyklen (IVF), bei denen eine oder zwei Eizellen entnommen wurden. Das primäre Ergebnis war die kumulative Lebendgeburt, definiert als die erste Lebendgeburt aller Embryonen, die aus einem einzigen Eizellentnahmezyklus hervorgegangen sind.

Klinischer Kontext: Unfruchtbarkeit und niedrige Eizellenzahlen

Weltweit leidet fast jedes sechste Paar an Unfruchtbarkeit, und IVF ist zu einem Eckpfeiler der Behandlung geworden. Allerdings sind nicht alle IVF-Zyklen gleichwertig. Patientinnen, die nur eine oder zwei Eizellen produzieren, was eher Zyklen mit begrenzter Eizellenausbeute als einer streng definierten schlechten Reaktion der Eierstöcke entspricht, leiden häufiger unter Zyklusabbrüchen, emotionalem Stress und finanzieller Belastung. Obwohl die emotionalen Auswirkungen eines Zyklusabbruchs in der klinischen Praxis allgemein anerkannt sind, wurden sie in dieser Studie nicht direkt bewertet.

Bei der konventionellen IVF werden Eizellen und Spermien über Nacht gemeinsam inkubiert, wodurch sie längerem oxidativem Stress ausgesetzt werden, der theoretisch die Embryonalentwicklung beeinträchtigen könnte, obwohl dieser Mechanismus schlussfolgernd bleibt. Bei der Kurzzeitbefruchtung werden Cumulus-Oozyten-Komplexe nach mehreren Stunden aus der Koinkubation der Spermien entfernt und in einigen Labors eingesetzt. Allerdings bleibt sein klinischer Nutzen in Zyklen mit sehr begrenzten Eizellenzahlen ungewiss, insbesondere im Hinblick auf aussagekräftige Ergebnisse wie die kumulative Lebendgeburtenrate.

Studiendesign und Patientenauswahl

Diese retrospektive Kohortenstudie wurde an einem einzelnen Zentrum für Reproduktionsmedizin durchgeführt und umfasste Patientinnen, die sich zwischen Januar 2013 und Dezember 2022 einer IVF-Behandlung unterzogen. Es wurden nur Zyklen einbezogen, bei denen eine oder zwei Eizellen entnommen wurden, die entweder zu einer Lebendgeburt oder zur Erschöpfung aller Embryonen aus dieser Entnahme führten. Patienten mit Uterusanomalien, intrauterinen Adhäsionen oder einem früheren Kaiserschnitt-Narbendivertikel wurden ausgeschlossen.

Besamungsprotokolle und Laborverfahren

Die Zyklen wurden nach der Besamungsdauer klassifiziert. Die kurzfristige Insemination umfasste fünf Stunden Spermien-Eizellen-Co-Inkubation, während die Insemination über Nacht etwa 17 Stunden in Anspruch nahm. Die Samenvorbereitung und -beurteilung erfolgte gemäß den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation unter Verwendung von Dichtegradientenzentrifugation und Swim-up-Techniken.

Eine normale Befruchtung wurde durch das Vorhandensein von zwei Vorkernen definiert, die etwa 17 ± 1 Stunde nach der Befruchtung beurteilt wurden. Je nach klinischer Strategie wurden Embryonen entweder bis zum Spaltungsstadium oder bis zum Blastozystenstadium kultiviert.

Statistische Methoden und Ergebnisdefinition

Der Propensity-Score-Matching wurde verwendet, um Ausgangsmerkmale wie Alter, Eierstockreserve, Stimulationsparameter und Spermienqualität auszugleichen. Zusammenhänge zwischen Befruchtungsstrategie und kumulativer Lebendgeburtenrate wurden mithilfe multivariabler Regressionsmodelle bewertet. Die kumulative Lebendgeburt wurde als die erste Lebendgeburt aller Embryonen definiert, die während eines einzelnen Eizellentnahmezyklus erzeugt wurden.

Gesamtergebnisse und primäres Ergebnis

Insgesamt wurden 2.392 IVF-Zyklen mit einer oder zwei entnommenen Eizellen analysiert. Davon nutzten 2.057 Zyklen eine Kurzzeitbesamung und 335 eine Nachtbesamung. Nach dem Propensity-Score-Matching waren die Ausgangsmerkmale zwischen den Gruppen gut ausgeglichen.

Die kumulativen Lebendgeburtenraten waren bei Kurzzeit- und Nachtbefruchtung sowohl vor als auch nach der Paarung ähnlich. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Reduzierung der Spermien-Eizellen-Expositionszeit keine Beeinträchtigung der kumulativen Lebendgeburtsergebnisse zur Folge hatte. Obwohl die Kurzzeitbefruchtung bestimmte Befruchtungs- und Embryonenparameter verbesserte, führten diese Verbesserungen nicht zu einem statistisch signifikanten Anstieg der gesamten Lebendgeburtenraten. Multivariable Analysen bestätigten das Fehlen einer nachteiligen Auswirkung einer Kurzzeitbefruchtung auf die Gesamtzahl der Lebendgeburten.

Klinische Zwischenergebnisse und Zykluskontinuität

Bei der Untersuchung der klinischen Zwischenergebnisse traten Unterschiede auf. Eine Kurzzeitbefruchtung war mit geringeren Abbruchraten bei Embryotransfers, weniger Zyklen ohne verfügbare Embryonen und geringeren Raten von „Alles einfrieren“-Zyklen verbunden. Diese Ergebnisse sind klinisch relevant, da der Zyklusabbruch von Patienten häufig als einer der emotional herausforderndsten Aspekte der IVF angegeben wird, obwohl die emotionalen Ergebnisse in dieser Studie nicht direkt gemessen wurden.

Laborbefruchtung und Embryonenmetriken

Die Laborergebnisse sprachen für eine Kurzzeitbefruchtung. Die normale Befruchtungsrate war höher, während die Inzidenz mehrerer Vorkerne, ein Indikator für eine abnormale Befruchtung, im Vergleich zur Befruchtung über Nacht geringer war. Diese Ergebnisse stimmen mit den Hypothesen über einen verringerten oxidativen oder mechanischen Stress während der Befruchtung überein, obwohl aus diesem retrospektiven Design keine Kausalität abgeleitet werden kann.

Untergruppenanalyse: Blastozystenkultur

In einer Untergruppenanalyse von Patienten, deren Embryonen bis zum Blastozystenstadium kultiviert wurden, war eine kurzfristige Insemination mit einer zahlenmäßig höheren kumulativen Lebendgeburtenrate verbunden als eine Insemination über Nacht. Obwohl grobe Unterschiede nach dem Matching statistisch nicht signifikant waren, zeigten angepasste Analysen eine geringere Wahrscheinlichkeit einer Lebendgeburt bei Befruchtung über Nacht. Interaktionstests ergaben nur grenzwertige Hinweise auf eine Effektmodifikation nach dem Matching.

Eine kurzfristige Insemination ging auch mit einer geringeren Anzahl verzögert entstehender Blastozysten einher, die im Allgemeinen als weniger günstig für die Übertragung gelten, obwohl sie nicht grundsätzlich von schlechter Qualität sind.

Interpretation der Ergebnisse

Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die kumulativen Lebendgeburtsergebnisse zwar vergleichbar waren, eine Kurzzeitbefruchtung jedoch praktische Vorteile bringen könnte, indem sie die Verfügbarkeit von Embryonen erhöht und das Risiko eines Zyklusversagens verringert. Diese Zwischenvorteile können erhebliche Auswirkungen auf die Patientenerfahrung und die Behandlungskontinuität haben, auch wenn der primäre Endpunkt unverändert blieb.

Schlussfolgerungen und klinische Implikationen

In IVF-Zyklen, bei denen nur eine oder zwei Eizellen entnommen wurden, wurden durch die Kurzzeitbefruchtung kumulative Lebendgeburtenraten erreicht, die mit der Befruchtung über Nacht vergleichbar waren, ohne den Gesamterfolg zu beeinträchtigen. Wichtig ist, dass dadurch die Anzahl der Abbrüche von Embryotransfers reduziert und mehrere Laborindikatoren für die Qualität von Embryonen verbessert wurden.

Für Patientinnen, die bereits mit den physischen, emotionalen und finanziellen Herausforderungen konfrontiert sind, die mit einer begrenzten Eizellenausbeute einhergehen, kann die Reduzierung des Risikos von Zyklen ohne verfügbare Embryonen klinisch sinnvoll sein. Diese Ergebnisse unterstützen die Kurzzeitbefruchtung als praktikable und potenziell vorteilhafte Strategie, insbesondere wenn eine Blastozystenkultur geplant ist. Bei der Interpretation sollten jedoch das retrospektive Single-Center-Design, zeitliche Änderungen in der Befruchtungspraxis und laborspezifische Faktoren berücksichtigt werden, die die Generalisierbarkeit einschränken können.


Quellen:

Journal reference: