Ein Forscherteam unter der Leitung von Wissenschaftlern der Icahn School of Medicine am Mount Sinai, der SUNY Downstate Health Sciences University und dem Department of Veterans Affairs hat die bisher größte und umfassendste genomweite Assoziationsstudie (GWAS) zur Schizophrenie bei Personen afrikanischer Abstammung durchgeführt. Die Studie wurde am 21. Januar veröffentlicht Natur, identifizierte mehr als 100 mit Schizophrenie assoziierte genetische Regionen, die in früheren Untersuchungen nicht eindeutig identifiziert wurden. Wichtig ist, dass die Ergebnisse zeigen, dass bestimmte genetische Varianten zwar in verschiedenen Populationen unterschiedlich sein können, die zentralen biologischen Mechanismen, die der Schizophrenie zugrunde liegen, jedoch weltweit gleich sind.
Schizophrenie betrifft Menschen aller Regionen und Hintergründe, doch die meisten genetischen Studien haben sich bisher auf Personen europäischer Abstammung konzentriert. Dieses Ungleichgewicht hat das wissenschaftliche Verständnis der Erkrankung eingeschränkt und die Genauigkeit genetischer Instrumente für Millionen von Menschen, insbesondere Menschen afrikanischer Abstammung, verringert.
„Unser Ziel war es, eine große Lücke in der psychiatrischen Genetik zu schließen“, sagte Panos Roussos, MD, PhD, Professor für Psychiatrie sowie genetische und genomische Wissenschaften und Direktor des Center for Disease Neurogenomics an der Icahn School of Medicine am Mount Sinai; Direktor des Zentrums für Präzisionsmedizin und translationale Therapeutik am James J. Peters VA Medical Center; und leitender Autor der Studie. „Durch die Ausweitung der Repräsentation in der Genforschung haben wir nicht nur neue mit Schizophrenie assoziierte Regionen entdeckt, sondern auch ein klareres Bild der gemeinsamen biologischen Wege gewonnen, die die Krankheit in verschiedenen Bevölkerungsgruppen auslösen.“
Wichtigste Erkenntnisse
Forscher fanden mehr als 100 neue Regionen im menschlichen Genom, die mit Schizophrenie in Zusammenhang stehen und zuvor nicht eindeutig identifiziert wurden. Viele dieser genetischen Unterschiede treten häufiger bei Menschen afrikanischer Abstammung auf, was erklärt, warum sie in früheren Studien, die hauptsächlich Menschen europäischer Abstammung umfassten, übersehen wurden.
Obwohl einige genetische Unterschiede je nach Abstammung variieren, ergab die Studie, dass Schizophrenie in allen Bevölkerungsgruppen die gleichen zugrunde liegenden Gehirnsysteme betrifft. Mit anderen Worten: Menschen auf der ganzen Welt tragen möglicherweise unterschiedliche genetische „Veränderungen in der Rechtschreibung“ in sich, aber diese Veränderungen neigen dazu, dieselben Gene und dieselben Gehirnzellen zu zerstören. Diese Zellen arbeiten zusammen, um die Gehirnsignale im Gleichgewicht zu halten, und Störungen dieses Gleichgewichts scheinen für Schizophrenie von zentraler Bedeutung zu sein.
Diese Ergebnisse geben uns die Gewissheit, dass Schizophrenie in allen Bevölkerungsgruppen biologisch ähnlich ist. Gleichzeitig zeigen sie auch, wie viel wir gewinnen, wenn die Genforschung Menschen mit unterschiedlichem Hintergrund einbezieht.“
Dr. Panos Roussos, MD, PhD, Professor für Psychiatrie sowie genetische und genomische Wissenschaften, Berg Sinai
Warum das wichtig ist
Die Studie unterstreicht die wissenschaftliche und ethische Notwendigkeit, unterschiedliche Bevölkerungsgruppen in die Genforschung einzubeziehen. Eine umfassendere Darstellung deckt nicht nur abstammungsspezifische Risikoregionen auf, sondern stärkt auch das Vertrauen in universelle biologische Mechanismen.
Durch die Identifizierung konvergenter Gene, Signalwege und Gehirnzelltypen bieten die Ergebnisse eine stärkere Grundlage für die Entwicklung biologisch fundierter Therapien und genetischer Werkzeuge, die gerechter und für alle Bevölkerungsgruppen anwendbar sind.
Die Forscher betonten, dass diese genetischen Entdeckungen keine Schizophrenie diagnostizieren und nicht darüber entscheiden, wer die Störung entwickeln wird oder nicht. „Genetische Erkenntnisse fließen in die Biologie und Forschung ein, sagen aber nicht voraus, wer die Krankheit entwickeln wird oder nicht“, betonten die Autoren. „Umweltbedingte, soziale und kulturelle Faktoren spielen ebenfalls eine entscheidende Rolle für die psychische Gesundheit und werden nicht allein durch genetische Studien erfasst.“
Obwohl diese Studie einen großen Fortschritt darstellt, betonen die Autoren, dass größere und vielfältigere Datensätze, insbesondere von Populationen afrikanischer Abstammung, immer noch dringend benötigt werden. Zukünftige Arbeiten werden sich auf die Ausweitung der globalen Repräsentation, die Verfeinerung der identifizierten ursächlichen Gene und Zelltypen sowie die Integration genetischer Entdeckungen mit funktionellen Studien im menschlichen Gehirngewebe konzentrieren. Ein langfristiges Ziel dieser Forschung ist die Umsetzung gemeinsamer biologischer Erkenntnisse in neuartige, mechanismusbasierte Behandlungen, die Menschen mit Schizophrenie weltweit zugute kommen können.
Quellen:
Bigdeli, T. B., et al. (2026). Biological insights into schizophrenia from ancestrally diverse populations. Nature. DOI: 10.1038/s41586-025-10000-6. https://www.nature.com/articles/s41586-025-10000-6