Myosteatose, die pathologische Infiltration von Fett in die Skelettmuskulatur, gilt zunehmend als wichtiger Prädiktor für schlechte klinische Ergebnisse bei einem Spektrum von Lebererkrankungen. Allerdings steht das Fachgebiet vor erheblichen Herausforderungen, darunter das Fehlen standardisierter Bewertungsmethoden, Definitionen und Diagnosekriterien sowie ein unvollständiges Verständnis seiner pathophysiologischen Mechanismen. Diese narrative Übersicht zielt darauf ab, das aktuelle Wissen über Myosteatose bei Lebererkrankungen zusammenzufassen und deren Bewertung, klinische Auswirkungen auf verschiedene Ätiologien, vorgeschlagene Pathogenese und mögliche Managementstrategien abzudecken.

Beurteilung und Definition von Myosteatose

Myosteatose stellt einen Muskelschwund dar Qualitätim Gegensatz zur Sarkopenie (verminderte Muskulatur). Menge). Seine Auswertung geht über den begrenzten Rahmen des Body-Mass-Index (BMI) hinaus. Die Computertomographie (CT) ist das am weitesten verbreitete und validierte Instrument in der klinischen Forschung und nutzt hauptsächlich zwei Messgrößen am dritten Lendenwirbel (L3): Muskelstrahlungsdämpfung (RA, gemessen in Hounsfield-Einheiten, HU) und das Verhältnis des intramuskulären Fettgewebegehalts (IMAC). Niedrigere RA- oder höhere IMAC-Werte deuten auf eine stärkere Fettinfiltration hin. Die diagnostischen Grenzwerte variieren jedoch erheblich zwischen den Studien (z. B. unter Verwendung BMI-angepasster RA-Werte oder geschlechtsspezifischer IMAC-Schwellenwerte), was zu breiten Prävalenzschätzungen führt und studienübergreifende Vergleiche erschwert. Die Magnetresonanztomographie (MRT) bietet eine höhere Genauigkeit zur Quantifizierung des intramuskulären Fettanteils, ist jedoch weniger zugänglich. Ultraschall zeigt Potenzial als Point-of-Care-Instrument, es fehlen jedoch standardisierte Kriterien. Bei der Wahl der Modalität werden Genauigkeit, Praktikabilität und patientenspezifische Faktoren in Einklang gebracht.

Klinische Auswirkungen bei Lebererkrankungen

  • Stoffwechseldysfunktionsassoziierte Fettlebererkrankung (MAFLD): Myosteatose ist bei MAFLD weit verbreitet und geht unabhängig mit schwerwiegenderen Krankheitsphänotypen einher, einschließlich nichtalkoholischer Steatohepatitis (NASH) und erheblicher Leberfibrose. Es kann als Biomarker für das Fortschreiten der Krankheit dienen und ist mit einem erhöhten Risiko für hepatozelluläres Karzinom (HCC) und Gesamtmortalität verbunden.

  • Leberzirrhose: Myosteatose kommt bei Leberzirrhose häufig vor und ist ein aussagekräftiger, unabhängiger Prognosemarker. Es ist mit höheren Child-Pugh-Scores, hepatischer Enzephalopathie, portaler Hypertonie, anderen dekompensierenden Ereignissen und einer deutlich erhöhten Langzeitmortalität verbunden. Prognosemodelle wie MELD werden durch die Einbeziehung der Myosteatose verbessert.

  • Hepatozelluläres Karzinom (HCC): Bei Patienten mit HCC ist Myosteatose mit schlechteren Ergebnissen verbunden, einschließlich einer verringerten Reaktion auf eine transarterielle Chemoembolisierung, einem kürzeren progressionsfreien Überleben bei Patienten, die eine Immuntherapie erhalten, und einer höheren Rate an postoperativen Komplikationen und einer höheren Mortalität nach Hepatektomie.

  • Lebertransplantation (LT): Myosteatose bei LT-Kandidaten und -Empfängern ist mit schlechteren Ergebnissen nach der Transplantation verbunden, einschließlich häufigerer Infektionen, längerer Krankenhausaufenthalte, höherer Kosten und einer verringerten Transplantat- und Patientenüberlebenszeit. Es erhöht den Vorhersagewert der Risikobewertungen vor der Transplantation.

  • Chronische Virushepatitis und primär sklerosierende Cholangitis (PSC): Neue Erkenntnisse deuten darauf hin, dass Myosteatose bei chronischer Hepatitis C und B eine Rolle spielt, obwohl die Datenlage weniger umfangreich ist. Bei PSC ist Myosteatose ein unabhängiger Prädiktor für ein verringertes transplantationsfreies Überleben.

Vorgeschlagene pathophysiologische Mechanismen

Die Entwicklung einer Myosteatose bei Lebererkrankungen ist multifaktoriell und wird durch eine gestörte Leber-Muskel-Achse angetrieben:

  1. Insulinresistenz: Beeinträchtigt die Glukoseentsorgung im Muskel und erhöht die Aufnahme freier Fettsäuren und die intramuskuläre Lipogenese.

  2. Hyperammonämie: Ammoniak, ein typisches Merkmal der Leberzirrhose, wird von den Muskeln aufgenommen, was zu einer mitochondrialen Dysfunktion führt und die Oxidation von Fettsäuren reduziert, was zu einer Lipidansammlung führt.

  3. Chronische Entzündung: Aus der erkrankten Leber freigesetzte entzündungsfördernde Zytokine (z. B. IL-6, TNF-α) stören den Fettstoffwechsel der Muskeln und fördern die Fettspeicherung.

  4. Mitochondriale Dysfunktion: Ein zentraler Defekt, der zu einer beeinträchtigten oxidativen Phosphorylierung und einer verringerten Lipidoxidation in Muskelzellen führt.

  5. Weitere Faktoren: Erhöhte Cathepsin-D-Plasmaspiegel korrelieren mit Myosteatose. Auch Ernährungsungleichgewichte (sowohl Überlastung als auch Mangel), genetische Faktoren und altersbedingte Veränderungen der Genexpression (z. B. unter Beteiligung adipogener Regulatoren) tragen dazu bei.

Mögliche Präventions- und Behandlungsstrategien

Derzeit gibt es keine Konsensrichtlinien für die Behandlung von Myosteatose bei Lebererkrankungen, da es an fundierter Evidenz mangelt. Vorgeschlagene Strategien sind multimodal:

  • Ernährungsintervention: Auf das Krankheitsstadium zugeschnitten, mit Schwerpunkt auf einer ausreichenden Zufuhr hochwertiger Proteine ​​(1,2–1,5 g/kg Idealgewicht/Tag), ausgewogenen Mahlzeiten mit niedrigem Gehalt an gesättigten Fettsäuren und einer spezifischen Aminosäureergänzung (z. B. Leucin, essentielle Aminosäuren). Eine Energieeinschränkung muss bewältigt werden, um einen gleichzeitigen Verlust von Muskelmasse zu vermeiden.

  • Übungsvorschrift: Ein kombiniertes Programm aus progressivem Aerobic- und Krafttraining ist grundlegend. Sport hilft dabei, die Muskelfunktion zu erhalten, fördert die Lipidoxidation und kann die Fettinfiltration umkehren, insbesondere in Kombination mit einer Diät.

  • Pharmakologische Therapie: Zu den experimentellen Ansätzen gehören Wirkstoffe, die auf pathogene Pfade abzielen, wie L-Ornithin-L-Aspartat (zur Senkung des Ammoniakgehalts) und Adiponektinrezeptoragonisten (z. B. AdipoRon), die sich in präklinischen Modellen als vielversprechend erwiesen haben.

Abschluss

Myosteatose ist ein kritischer, aber oft übersehener Bestandteil von Anomalien der Körperzusammensetzung bei chronischen Lebererkrankungen. Es prognostiziert unabhängig Morbidität, Mortalität und schlechte Behandlungsergebnisse für alle Ätiologien, von MAFLD bis hin zu Zirrhose im Endstadium und HCC. Das Fehlen einer standardisierten Beurteilung behindert die klinische Übersetzung. Die Pathogenese ist komplex und umfasst Insulinresistenz, Hyperammonämie, Entzündung und mitochondriale Dysfunktion innerhalb der Leber-Muskel-Achse. Zukünftige Forschung muss der Festlegung einheitlicher Diagnosekriterien und der Durchführung randomisierter kontrollierter Studien Priorität einräumen, um die Wirksamkeit integrierter physikalischer, ernährungsphysiologischer und pharmakologischer Interventionen zur Linderung von Myosteatose und zur Verbesserung der Patientenergebnisse zu bewerten.


Quellen:

Journal reference:

Yang, J., et al. (2025). Quality and Quantity? The Clinical Significance of Myosteatosis in Various Liver Diseases: A Narrative Review. Journal of Clinical and Translational Hepatology. doi: 10.14218/jcth.2025.00383. https://www.xiahepublishing.com/m/2310-8819/JCTH-2025-00383