Neue Forschungsergebnisse zeigen, warum Etiketten auf der Vorderseite der Verpackung allein möglicherweise nicht ausreichen, um eine gesündere Wahl zu treffen, da der Glaube der Verbraucher an Natürlichkeit und Verarbeitung weiterhin prägt, was im Einkaufskorb landet.
Studie: Stand der Technik bei Etikettensystemen auf der Vorderseite von Lebensmitteln unter Berücksichtigung von Verbrauchertrends und -wahrnehmungen zu natürlicher Gesundheit sowie Lebensmittelverarbeitung und Nachhaltigkeit. Bildnachweis: Stock-Asso/Shutterstock.com
Etiketten auf der Vorderseite der Verpackung (FOP) sollen Verbrauchern dabei helfen, schnell die Wahl gesunder Lebensmittel zu erkennen. Allerdings hängt ihre Wirksamkeit stark davon ab, wie Käufer Begriffe wie „gesund“, „natürlich“, „verarbeitet“ und „nachhaltig“ interpretieren, heißt es in einer aktuellen Rezension in ACS Ernährungswissenschaft.
Definition gesunder Ernährung über Nährstoffe und Lebensmittelgruppen hinaus
Zu einer gesunden Ernährung gehört eine ausgewogene Aufnahme von Obst, Gemüse und Vollkornprodukten bei gleichzeitiger Begrenzung des Verzehrs von Zucker, Natrium, Transfetten und gesättigten Fetten. Das klassische Beispiel ist die Mittelmeerdiät, die jedoch auch Lebensmittel wie Schinken und Gebäck enthält, die viel Salz und Fett enthalten.
Daher ist gesunde Ernährung eher ein komplexes Konzept als ein reines Ernährungskonzept, und kein einzelnes Lebensmittel kann isoliert als vollständig „gut“ oder „schlecht“ klassifiziert werden; Gesundheitsergebnisse hängen mehr von den allgemeinen Ernährungsgewohnheiten als davon ab einzelne Lebensmittel. Die mediterrane Ernährung gilt vor allem aufgrund des damit verbundenen aktiven und sozial orientierten Lebensstils und der Ernährungsvielfalt als gesund.
Die Wahrnehmung der Lebensmittelgesundheit kann je nach Lebensmittelkategorie (Früchte oder Süßigkeiten), „bedenklichen Nährstoffen“ (wie Natrium, Zucker und gesättigte Fette), Nährwertkennzeichnung, biologischem Ursprung, physikalischen oder sensorischen Eigenschaften und Verarbeitungsgrad variieren.
Auch Ernährungsphilosophien und Gesundheitsthemen beeinflussen, was als gesund gilt. Milchprodukte sind für Menschen mit Laktoseintoleranz ungesund, Gluten für Menschen mit Zöliakie. Dunkle Schokolade ist mäßig kalorienreich, aber reich an bioaktiven Verbindungen, was sie in Maßen zu einer gesunden Option macht.
Verarbeitete versus natürliche Lebensmittel
Diese Komplexität erstreckt sich auch auf die Art und Weise, wie Verbraucher die Lebensmittelverarbeitung interpretieren.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Verarbeitung von Lebensmitteln diese nicht automatisch ungesund macht und es keinen direkten, linearen Zusammenhang zwischen dem Grad der Verarbeitung und der Gesundheit gibt. Einige verarbeitete Lebensmittel enthalten viel Natrium, zugesetzten Zucker und gesättigte Fettsäuren. Allerdings sind andere Lebensmittelprozesse erforderlich, um Lebensmittel mit essentiellen Mikronährstoffen anzureichern, den Nährwert von Lebensmitteln mit hohem Antinährstoffgehalt zu erhöhen und die Vitaminretention zu verbessern.
Natürliche Produkte sind möglicherweise nicht immer gesundheitsfördernd, so die Autoren, die beobachten, dass einige nicht-natürliche Lebensmittel (z. B. verarbeiteter Maniok) eine geringere Toxizität aufweisen als ihre natürlichen Gegenstücke (natürlicher Maniok kann Verbindungen enthalten, die in Zyanid umgewandelt werden). Verbraucher neigen aufgrund der geringeren Verarbeitung dazu, Natürlichkeit mit Gesundheit zu verwechseln. Dies ist kein evidenzbasierter Glaube und spiegelt eine größere Kluft zwischen Verbraucherwahrnehmung und wissenschaftlichen Erkenntnissen wider.
FOP-Kennzeichnungssysteme
In den einzelnen Ländern wurden mehrere Strategien zur Lebensmittelkennzeichnung eingeführt, die in der Regel an die lokalen Bedürfnisse und die Gesundheitspolitik gekoppelt sind. Die FOP-Kennzeichnung soll „Verbraucher auf einen Blick über die relative Gesundheit eines Produkts (interpretatives System), die besorgniserregenden Nährstoffe (nicht interpretatives System) oder beides informieren“. und ist als ergänzendes Hilfsmittel und nicht als Ersatz für umfassendere Ernährungsrichtlinien gedacht.
Arten von FOP-Kennzeichnungssystemen
Die Autoren überprüfen mehrere FOP-Lebensmittelklassifizierungssysteme. Einige sind farblich gekennzeichnet, wie der interpretierende NutriScore; andere, wie die Healthy Star Rating- oder FOP-Symbole, stellen visuell besorgniserregende Nährstoffe dar. Bei anderen handelt es sich um nicht interpretierbare Nährwerte, wie z. B. NutrInform oder FOP-Warnschilder, die numerische Informationen über besorgniserregende Nährstoffe liefern.
Hybridsysteme wie das Traffic Label System bieten neben numerischen Informationen auch farbcodierte Warnungen. Darüber hinaus gibt es Nachhaltigkeitssiegel wie den Enviroscore, der die Umweltauswirkungen bewertet, und Natürlichkeitssiegel wie den Food Naturalness Index. Allerdings verwendet jedes System unterschiedliche Kriterien, Schwellenwerte und Methoden und keines ist frei von wissenschaftlicher Kritik oder Einschränkungen. Dies spiegelt die laufende wissenschaftliche Debatte darüber wider, wie sich die Gesundheit von Lebensmitteln am besten klassifizieren und kommunizieren lässt.
FOP-Etiketten, die Zahlen und Prozentsätze zur Beschreibung des Nährstoffgehalts verwenden, sind schwieriger zu verstehen. Im Gegensatz dazu sind Farben, Symbole und einfache Begriffe wie „niedrig“, „mittel“ und „hoch“ leichter zu verstehen und möglicherweise leichter umzusetzen.
Vorteile der FOP-Kennzeichnung
Die FOP-Kennzeichnung macht Nährwertinformationen sichtbarer und verständlicher. Es kann den Verbrauchern helfen, fundiertere Entscheidungen zu treffen und die Entscheidungsfindung zu beschleunigen, insbesondere bei Menschen mit geringer Bildung. Es könnte Hersteller dazu ermutigen, gesündere Lebensmittelformulierungen herzustellen. Der Codex Alimentarius sieht darin eine ergänzende, leicht verständliche Nährwertinformation neben der Nährwertkennzeichnung.
Einschränkungen der FOP-Kennzeichnung
Die tatsächlichen Auswirkungen der Kennzeichnung auf das langfristige Verbraucherverhalten, die Ernährungsgewohnheiten und die Prävalenz von Fettleibigkeit bleiben unklar. Die Entscheidungen der Verbraucher werden nicht nur durch Etiketten, sondern auch durch den Preis beeinflusst, der oft ein wichtigerer Faktor ist. durch Branding und Marketing; nach persönlichen Vorlieben; durch soziokulturelle Erwartungen; und durch Ernährungswissen.
Lebensmittelwissenschaftler und andere auf dem Gebiet der Ernährung tätige Personen beschweren sich manchmal darüber, dass solche Kennzeichnungssysteme die Nährstoffzusammensetzung von Lebensmitteln zu stark vereinfachen. Darüber hinaus äußern einige Verbraucher Skepsis oder begrenztes Vertrauen gegenüber Kennzeichnungssystemen, die von der Industrie oder staatlichen Institutionen entwickelt wurden.
Zukünftige Richtungen
Die FOP-Kennzeichnung ist zwar für die Transparenz unerlässlich, sollte sich jedoch an der Wahrnehmung der Verbraucher orientieren, um wirksamer zu sein. Es sind genauere und standardisierte Lebensmittelklassifizierungssysteme erforderlich, um die vielfältigen Aspekte von Lebensmitteln widerzuspiegeln, einschließlich Nährwert-, Nachhaltigkeits- und verarbeitungsbezogener Informationen. insbesondere da Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekte in den Lebensmittelsystemen zunehmend in den Mittelpunkt rücken.
Die Lösung liegt in der Reduzierung der Komplexität der verwendeten Kommunikationsform und nicht der dahinter stehenden Informationen.
Um die konsequente Nutzung solcher Systeme sicherzustellen, sind strengere regulatorische Vorgaben erforderlich. Beim Etikettendesign sollte der Schwerpunkt auf einfacheren, leicht verständlichen Formaten und nicht auf rein numerischen Informationen liegen. Die Aufklärung der Verbraucher bleibt von entscheidender Bedeutung, um die Lücke zwischen Lebensmittelwissenschaft und Lebensmittelauswahl zu schließen und Einzelpersonen dabei zu helfen, Etiketten richtig zu bewerten, anstatt Entscheidungen auf der Grundlage von Begriffen wie „natürlich“ oder „gesund“ zu treffen.
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Quellen:
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Amorim, A., Deliza, R., Hubinger, M. D., et al. (2026). State of the Art of Food Front-of-Package Labeling Systems Considering Consumer Trends and Perceptions about Natural Health, and Food Processing and Sustainability. ACS Nutrition Science. DOI: 10.1021/acsnutrsci.5c00018. https://pubs.acs.org/doi/10.1021/acsnutrsci.5c00018