Neue Forschung zu mütterlicher Depression und Autismus bei Kleinkindern

Ein Forschungsteam der Psychiatrischen Abteilung der Tohoku Universität, geleitet von Dr. Zhiqian Yu und Professor Hiroaki Tomita, hat überzeugende Beweise dafür gefunden, dass mütterliche perinatale Depression – psychische Belastungen, die während der Schwangerschaft oder nach der Geburt auftreten – das Risiko für autismusbezogene Merkmale bei Kleinkindern erhöht. Dies hat besonders starke Auswirkungen auf Mädchen. Die Ergebnisse basieren auf einer groß angelegten japanischen Kohorte von über 23.000 Mutter-Kind-Paaren (dem Tohoku Medical Megabank Project Geburt und Drei-Generationen-Kohortenstudie) und wurden durch Tierversuche an Mäusen unterstützt. Diese Erkenntnisse liefern wichtige Einblicke, wie die psychische Gesundheit der Mutter die frühe neurodevelopmentale Entwicklung beeinflusst, was dabei helfen könnte, Richtlinien zum Schutz des Wohlbefindens von Mutter und Kind zu erstellen.

Positive Auswirkungen der psychischen Gesundheit der Mutter

Die Studie zeigt, dass es wichtig ist, die psychische Gesundheit von Schwangeren zu unterstützen, um negative Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes zu minimieren.

Mit Daten aus der Kohorte bewertete das Team die depressiven Symptome während der frühen und mittleren Schwangerschaft sowie einen Monat nach der Geburt. Höhere Werte der Mutter auf der Kessler-Skala für psychische Belastung (K6) oder der Edinburgh Postnatal Depression Scale (EPDS) waren signifikant mit einem erhöhten Auftreten autismusbezogener Merkmale bei Kleinkindern verbunden, gemessen anhand der Tokyo Autistic Behavior Scale (TABS). Bemerkenswert ist, dass, obwohl Autismus allgemein häufiger bei Jungen vorkommt, das Risiko im Zusammenhang mit mütterlicher perinataler Depression besonders bei Mädchen ausgeprägt war. Darüber hinaus hatten Mädchen ein niedrigeres Geburtsgewicht und eine stärkere Verbindung zwischen autistischen Merkmalen und einer gestörten Mutter-Kind-Bindung (der Mother-to-Infant Bonding Scale; MIBS).

Biologische Mechanismen

Um die biologischen Mechanismen hinter diesen Ergebnissen zu erforschen, richteten die Forscher ein Modell für pränatalen Stress bei Mäusen ein. Gestresste „Mütter“ zeigten verhaltensähnliche Symptome von Depressionen und reduzierten mütterlichen Pflegeverhalten, während ihre weiblichen Nachkommen typische autismusähnliche Verhaltensmuster aufwiesen, einschließlich erhöhter Selbstpflege und beeinträchtigter sozialen Neuheitserkennung. Molekulare Analysen zeigten zudem eine reduzierte Expression von Oxytocin (auch als „Liebeshormon“ bekannt) in den Mikroglia des präfrontalen Kortex gestresster Mütter und eine verringerte Expression von Oxytocin-Rezeptoren im präfrontalen Kortex ihrer weiblichen Nachkommen. Diese Ergebnisse deuten auf einen geschlechtsspezifischen neurobiologischen Weg hin, durch den pränataler Stress die soziale Entwicklung stören kann. Da die Signalübertragung von Oxytocin entscheidend für die Mutter-Kind-Bindung und das soziale Verhalten ist, könnten Störungen in diesem System erklären, warum Töchter besonders anfällig für mütterlichen Stress zu sein scheinen.

Gesellschaftliche Bedeutung

Diese Studie unterstreicht die gesellschaftliche Bedeutung, den psychischen Gesundheitszustand von Müttern bereits in der Schwangerschaft zu unterstützen. Eine angemessene psychologische Betreuung und Überwachung könnte helfen, nachteilige Entwicklungsfolgen bei Kindern, insbesondere bei Mädchen, zu reduzieren. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass das Wohlergehen der Mutter eine entscheidende Grundlage für die langfristige Entwicklungsgesundheit der Kinder darstellt und bieten eine wissenschaftliche Grundlage für geschlechtssensitive frühzeitige Interventionsstrategien.

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Die Studie basierte nicht auf klinischen Diagnosen von mütterlicher Depression oder Autismus-Spektrum-Störungen bei Kindern. Vielmehr konzentrierte sie sich auf die Beziehung zwischen auf Fragebögen basierenden Maßen mütterlicher depressiver Symptome und Indikatoren autismusbezogener Verhaltensmerkmale. Während die Ergebnisse nicht darauf hinweisen, dass mütterliche perinatale Depression direkt Autismus-Spektrum-Störungen verursacht, betonen sie die Bedeutung der Unterstützung der psychischen Gesundheit der Mutter während der perinatalen Phase, insbesondere im Hinblick auf mögliche geschlechtsspezifische Auswirkungen auf die emotionalen und entwicklungsbedingten Ergebnisse bei Kindern.

Die Ergebnisse wurden am 4. Februar 2026 in Molecular Psychiatry, einer Zeitschrift des Nature Portfolios, veröffentlicht.


Quellen:

Journal reference:

Duan, C., et al. (2026). Sex differences in the risk of autistic-related traits in toddlers born to mothers with perinatal depression: Evidence from human cohort and mouse study. Molecular Psychiatry. doi: 10.1038/s41380-026-03456-z. https://www.nature.com/articles/s41380-026-03456-z