Selbst unter strenger Aufsicht wehren sich manche Körper gegen eine Gewichtsabnahme. Neue Forschungsergebnisse erklären, warum die Biologie und nicht die Anstrengung darüber entscheiden kann, wer von Diät und Bewegung profitiert.
Studie: Über erfolglose Responder auf Diät- und körperliche Aktivitätsinterventionen: Ein Fokus auf Energiebalance und Körpergewichtsverlust. Bildnachweis: Freebird7977/Shutterstock.com
In einer kürzlich veröffentlichten Rezension in NährstoffeForscher überprüften Beweise aus kontrollierten Interventionen und der breiteren wissenschaftlichen Literatur, einschließlich klassischer Stoffwechselstudien und überwachter Übungsstudien, um zu erklären, warum einige Patienten mit Fettleibigkeit oder Stoffwechselstörungen den Phänotyp „erfolgloser Responder“ aufweisen, die Unfähigkeit, Gewicht zu verlieren, oder das Auftreten unerwünschter Stoffwechseleffekte trotz angemessener Einhaltung der Diät- und Bewegungsrichtlinien.
Die Überprüfung ergab, dass zwischen 5 % und 20 % der Personen den Phänotyp „erfolgloser Responder“ aufweisen. Die Auswertung biologischer, genetischer und umweltbedingter Mechanismen, die zu dieser Resistenz beitragen, legt nahe, dass Faktoren, die über Anstrengung oder Willenskraft hinausgehen, einschließlich biologischer Reaktionen, die beobachteten Ergebnisse erheblich beeinflussen können, selbst wenn die Empfehlungen zum Lebensstil wie vorgeschrieben befolgt werden.
Einhaltung als alleiniger Treiber der Gewichtsabnahme überdenken
Die Unfähigkeit einer übergewichtigen oder fettleibigen Person, Gewicht zu verlieren, wird traditionell auf mangelnde Einhaltung, „Willensversagen“ zurückgeführt. Die vorherrschende Annahme, sowohl im klinischen Umfeld als auch im Fitnessbereich, beispielsweise in Fitnessstudios, ist, dass ein Patient, wenn er nicht abnimmt, von einem etablierten Interventionsprotokoll abweicht, Trainingseinheiten auslässt oder die Nahrungsaufnahme zu niedrig angibt.
Während mehrere Studien die Bedeutung der Einhaltung für das Erreichen positiver physiologischer Ergebnisse nachgewiesen haben, weicht eine wachsende Zahl von Fachliteratur von diesem „Compliance-zentrierten“ Ansatz ab und weist stattdessen darauf hin, dass der menschliche Körper Energiedefizite nicht alle auf die gleiche Weise verarbeitet und dass Gewichtsverlust nur eine von mehreren möglichen gesundheitlichen Folgen ist.
Forscher haben nun zwei Untergruppen von Personen identifiziert, die trotz dokumentierter oder genau überwachter Einhaltung der Intervention schlechte Ergebnisse erzielen: „erfolglose Responder“, denen es nicht gelingt, Gewicht zu verlieren, und „adverse Responder“, bei denen sich die Gesundheitsmerkmale verschlechtern, und zwar unter Bedingungen, bei denen die Einhaltung streng überwacht wurde oder in einigen Fällen eine extreme Gewichtszunahme praktisch unmöglich war.
Leider fehlt eine Synthese, die die Prävalenz dieser Phänotypen und das Ausmaß der individuellen Unterschiede bei streng kontrollierten Lebensbedingungen verdeutlicht.
Belege aus streng kontrollierten Ernährungs- und Bewegungsinterventionen
Die vorliegende Übersicht zielt darauf ab, diese Wissenslücke zu schließen und so die künftige klinische und gesellschaftliche Politik zu beeinflussen, indem sie Erkenntnisse aus mehreren wegweisenden klinischen Studien und physiologischen Studien hervorhebt, in denen die Einhaltung sorgfältig überwacht oder durch Überwachung oder Unterbringung auf Stoffwechselstationen durchgesetzt wurde.
Der Review legt besonderes Augenmerk auf Erkenntnisse aus gut kontrollierten Interventionsmodellen und ermöglicht so die Isolierung biologischer Resistenz von Verhaltensverstößen.
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Studien zu eineiigen Zwillingen: Eineiige Zwillinge wurden auf Stoffwechselstationen untergebracht und 100 Tage lang präzisen Energiedefiziten und überwachtem Training ausgesetzt, um die genetische Varianz beim Gewichtsverlust zu messen.
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Die HERITAGE-Familienstudie: Ein Versuch mit einem 20-wöchigen Trainingsprogramm an frei lebenden Teilnehmern, wobei alle Trainingseinheiten überwacht und Intensität und Dauer von Spezialisten überwacht werden, um die Nichteinhaltung zu minimieren.
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Die PREVIEW-Studie: Eine multinationale Studie mit über 2.000 Teilnehmern, die mit einer überwachten LED-Low-Energy-Diät begannen, die einen schnellen Gewichtsverlust herbeiführen sollte, wobei eine Gewichtszunahme praktisch unmöglich war.
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„The Biggest Loser“-Analyse: Eine Studie, in der Teilnehmer eines im Fernsehen übertragenen Abnehmwettbewerbs verfolgt werden, um die langfristige Stoffwechselanpassung und Veränderungen der Stoffwechselrate im Ruhezustand sechs Jahre nach dem Wettbewerb zu messen.
Trotz identischer Energiedefizite bleibt eine große biologische Variation bestehen
Die Überprüfung ergab eine signifikante interpatiente Variabilität bei der biologisch bedingten Gewichtserhaltung oder Stoffwechselstörung. Beispielsweise lag der Gewichtsverlust in den Zwillingsstudien dramatisch zwischen 1 kg und 8 kg, obwohl alle Teilnehmer 100 Tage lang ein tägliches Energiedefizit von etwa 1.000 kcal einhielten.
Bemerkenswerterweise wurde beobachtet, dass diese Reaktionen bei Zwillingspaaren sehr ähnlich sind, was bestätigt, dass die Reaktion des Körpers auf eine negative Energiebilanz teilweise genetisch bedingt ist.
Analysen der PREVIEW-Studie ergaben, dass etwa 10,2 % der Frauen und 7,9 % der Männer trotz vergleichbarer Teilnahme an Supervisionssitzungen und ähnlicher Programmbeteiligung als erfolglos eingestuft wurden, obwohl einige Personen trotz begrenztem Gewichtsverlust möglicherweise immer noch Verbesserungen der Fitness oder anderer Gesundheitsindikatoren verspürten. Noch besorgniserregender waren die „adverse Responder“ in der HERITAGE-Studie. Etwa 8 % bis 13 % der Teilnehmer zeigten nach streng überwachter körperlicher Betätigung eine über die erwartete Messvariabilität hinausgehende Verschlechterung der kardiometabolischen Risikofaktoren Blutdruck, Triglyceride, Insulin und HDL-Cholesterin.
Die Übersicht erläutert außerdem den Mechanismus der „adaptiven Thermogenese“ oder der Verlangsamung des Stoffwechsels, die über das hinausgeht, was allein durch den Gewichtsverlust des Gewebes zu erwarten wäre. Daten aus der „The Biggest Loser“-Studie zeigten, dass die Teilnehmer nach dem Wettkampf einen Rückgang des Ruheumsatzes (RMR) um 610 kcal pro Tag erlebten. Besorgniserregend war, dass sich ihre RMRs sechs Jahre später trotz erheblicher Gewichtszunahme nicht erholten. Stattdessen vergrößerte sich die Lücke zwischen vorhergesagtem und gemessenem RMR, der adaptiven Thermogenese, auf etwa 704 kcal pro Tag.
Schließlich ergab die Überprüfung, dass sich die biologischen Treiber der Gewichtserhaltung, beispielsweise Appetit- und Sättigungsreaktionen, deutlich unterschieden. Bei erfolgreichen Abnehmern zeigten sich positive Anpassungen der sättigungsbezogenen Reaktionen, bei erfolglosen Teilnehmern hingegen nicht.
Umweltfaktoren spielten auch eine Rolle bei den Ergebnissen bei der Gewichtserhaltung. Die Freisetzung von im Körperfett gespeicherten organischen Schadstoffen während der Gewichtsabnahme war mit einer verringerten Oxidationskapazität der Skelettmuskulatur und einem verringerten Schilddrüsenhormonspiegel verbunden und trug möglicherweise zu einem geringeren Energieverbrauch bei, obwohl die Autoren betonen, dass diese Mechanismen weiterer Untersuchungen bedürfen.
Warum einheitliche Strategien zur Gewichtsabnahme nicht ausreichen
Die vorliegende Übersicht hebt hervor, dass herkömmliche „Einheitslösungen“ für Diät und Bewegung als Interventionen zur Gewichtsreduktion zwar wichtig, aber wissenschaftlich nicht verallgemeinerbar sind, wodurch die traditionellen Stigmata „Willensversagen“ in Frage gestellt werden. Es wurde beobachtet, dass zwischen 5 % und 20 % der Personen biologische Mechanismen erleben, die Standardmaßnahmen zur Gewichtsreduktion unwirksam oder sogar kontraproduktiv machen, selbst unter den Bedingungen einer angemessenen oder genau überwachten Einhaltung.
Es wird angenommen, dass diese Resistenz durch ein komplexes Zusammenspiel von Genetik, Stoffwechselanpassung, Appetitregulierung, Stressniveau, Schlafqualität und Umwelteinflüssen verursacht wird. Während die Überprüfung betont, dass eine präzise Unterscheidung der Responder in der Routinepraxis noch nicht möglich ist, deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass das zukünftige Gewichtsmanagement eine schrittweise Verlagerung hin zu stärker personalisierten und genau überwachten Ansätzen erfordern wird.
Ärzte sollten erkennen, dass erfolglose Responder möglicherweise angepasste Erwartungen, einfühlsame Nachsorge und individuelle Interventionsstrategien benötigen, anstatt sich ausschließlich auf das Körpergewicht als Erfolgsindikator zu konzentrieren oder eine schlechte Compliance anzunehmen.
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Quellen:
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Tremblay, A., Jacob, R., Pérusse, L., & Drapeau, V. (2026). About Unsuccessful Responders to Diet and Physical Activity Interventions: A Focus on Energy Balance and Body-Weight Loss. Nutrients, 18(2), 195. DOI: 10.3390/nu18020195. https://www.mdpi.com/2072-6643/18/2/195