Neueste realweltliche Evidenz verbindet die Gürtelrose-Impfung mit einem verringerten Demenzrisiko, was wichtige Fragen zu viralen Auslösern, Entzündungen und zukünftigen Präventionsstrategien aufwirft.

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In einer aktuellen Studie, die im Fachjournal Nature Communications veröffentlicht wurde, untersuchten Forscher die Beobachtungen zur Assoziation zwischen dem rekombinanten Zoster-Impfstoff (RZV, umgangssprachlich „Shingrix“) und dem Demenzrisiko, einem Nicht-Zielzustand, bei Erwachsenen ab 65 Jahren. Die Studie analysierte Daten von mehr als 300.000 Personen und stellte fest, dass Shingrix mit einem um 51 Prozent geringeren beobachteten Risiko für Demenz in der untersuchten Gruppe assoziiert war.

Insbesondere zeigten die Ergebnisse der Studie, dass zwei Impfungen mit dem Vakzin mit signifikant niedrigeren Risiken sowohl für Alzheimer als auch für vaskuläre Demenz verbunden waren. Diese Ergebnisse blieben auch nach mehreren Sensitivitätsanalysen stabil, die potenzielle Störfaktoren berücksichtigen sollten, einschließlich der Effekte gesunder Geimpfter, was auf ein verringertes Demenzrisiko hinweist, das eine Bestätigung benötigt, anstatt einen nachgewiesenen neuroprotektiven Effekt.

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Die Last der Demenz und virusbedingte Hypothesen

Demenz ist ein Überbegriff für ein Spektrum von fortschreitenden neurologischen Erkrankungen, die stark genug sind, um das tägliche Leben zu stören. Sie wird inzwischen als globale Gesundheitskrise angesehen, von der schätzungsweise 57,4 Millionen Menschen weltweit betroffen sind, und diese Zahl wird sich bis 2050 verdreifachen.

Obwohl Jahrzehnte der Forschung vergangen sind, bleiben die Ursachen von Demenz komplex. Während Alter, genetische Faktoren, Gesundheitsverhalten und Umweltfaktoren etablierte Risikofaktoren sind, vermuten Wissenschaftler seit langem, dass das Varizella-Zoster-Virus (VZV), das Virus, das für Windpocken und Gürtelrose verantwortlich ist, ebenfalls eine Rolle spielen könnte.

Studien haben gezeigt, dass das Reaktivieren von VZV bei älteren Erwachsenen Gürtelrose verursacht, einen schmerzhaften Ausschlag, der mit erhöhten Risiken für Neuroinflammation und Hirnschäden verbunden ist.

Bemerkenswerterweise deuteten Daten früherer Gürtelrose-Impfstoffe, wie dem lebend-attenuierten Zoster-Impfstoff (ZVL), auf einen potenziellen Nutzen zur Verringerung des Demenzrisikos hin. Allerdings blieben die Beweise für den neueren und wirksameren rekombinanten Zoster-Impfstoff begrenzt.

Studienaufbau, Population und Bias-Kontrollen

Die vorliegende Studie hatte zum Ziel, diese Lücke zu schließen, indem eine retrospektive gepaarte Kohortenanalyse unter Verwendung elektronischer Gesundheitsakten von Kaiser Permanente Southern California durchgeführt wurde. Das Ziel war es, die Risikominderung für Demenz zu untersuchen, nicht die Prävention, was mit der Beobachtungsnatur der Daten übereinstimmt.

Die Studienpopulation umfasste 65.800 Personen ab 65 Jahren, die zwischen April 2018 und Dezember 2020 zwei Dosen des RZV erhielten, mit einer mittleren Nachbeobachtungszeit von etwa 3,4 Jahren. Diese Personen wurden im Verhältnis 1:4 mit 263.200 ungeimpften Peers basierend auf Alter, Geschlecht, Rasse, Ethnizität, vorheriger ZVL-Impfhistorie und umfangreichen klinischen Variablen gepaart. Die Nachbeobachtung begann sechs Monate nach der Impfung, um Fehleinstufungen durch bereits bestehende Demenz zu verringern.

Der primäre Endpunkt war die Demenz aus allen Ursachen, definiert mit Hilfe der Internationalen Klassifikation der Krankheiten, 10. Revision (ICD 10) Diagnosecodes. Sekundäre Endpunkte umfassten spezifische Demenzsubtypen wie Alzheimer, vaskuläre Demenz und leichte kognitive Beeinträchtigung (MCI).

Die diagnostische Validität wurde durch gezielte Überprüfungen der medizinischen Unterlagen von codierten Demenz- und MCI-Fällen verstärkt.

Um mögliche Verzerrungen durch gesunde Geimpfte zu berücksichtigen, verglichen die Forscher RZV-Empfänger mit einer separaten Kohorte von 65.800 Personen, die den Tetanus-, Diphtherie- und azellulären Pertussis (Tdap) Impfstoff erhalten hatten. Dieser Vergleich half sicherzustellen, dass die geimpften Gruppen ähnliche Gesundheitsprofile aufwiesen, obwohl eine vollständige Ausschaltung von residualen Störfaktoren nicht möglich ist.

Beobachtete Assoziationen mit Demenz und kognitiven Ergebnissen

Die Analysen zeigten, dass zwei Dosen RZV mit einem 51 Prozent geringeren Risiko für Demenz im Vergleich zu keiner Impfung assoziiert waren, mit einem angepassten Hazard Ratio von 0,49 und einem 95 Prozent Konfidenzintervall von 0,46 bis 0,51. Die Inzidenzraten für Demenz betrugen 10,74 pro 1.000 Personenjahre in der geimpften Gruppe im Vergleich zu 23,04 in der ungeimpften Gruppe.

Eine stärkere Assoziation wurde bei Frauen beobachtet, mit einem angepassten Hazard Ratio von 0,45 im Vergleich zu 0,55 bei Männern. Die Ergebnisse waren ansonsten in verschiedenen Altersgruppen und rassischen oder ethnischen Kategorien konsistent, obwohl die biologische Grundlage für den Geschlechtsunterschied unklar bleibt.

Die Verabreichung von RZV war auch mit einer 16 Prozentigen Verringerung des Risikos für neu auftretende MCI verbunden, insbesondere bei Personen, die weniger als 3,5 Jahre verfolgt wurden. Bei denjenigen, die MCI entwickelten, erlebten die geimpften Personen eine längere mittlere Zeit bis zur Progression zu Demenz, mit einer durchschnittlichen Verzögerung von etwa 68 Tagen.

Im direkten Vergleich mit der Tdap-geimpften Kohorte zeigten RZV-Empfänger immer noch ein um 27 Prozent geringeres Demenzrisiko, was die Beständigkeit der Assoziation nach Berücksichtigung der gesunden Geimpften-Effekte unterstützt.

Interpretation, Mechanismen und Forschungsimplikationen

Diese große, beobachtende Studie aus der realen Welt liefert Hinweise darauf, dass die Impfung mit dem rekombinanten Zoster-Impfstoff mit einer statistisch signifikanten Verringerung des Demenzrisikos assoziiert ist. Allerdings kann keine Kausalität festgestellt werden, und eine längere Nachbeobachtung ist erforderlich, da sich Demenz langsam entwickelt.

Die zugrunde liegenden biologischen Mechanismen bleiben ungewiss. Die Autoren vermuten, dass die Impfung die Reaktivierung von Viren reduzieren könnte, die sonst Neuroinflammation auslösen oder die Blutgefäße im Gehirn schädigen könnten, wodurch es zu einem fortschreitenden neurologischen Rückgang beiträgt.

Zukünftige Forschungen sollten untersuchen, ob diese kognitiven Assoziationen spezifisch für RZV sind, die optimalen Zeitpunkte und Dosierungen der Impfung erforschen und evaluieren, wie die Gürtelrose-Impfung in umfassendere Strategien zur Risikominderung für Demenz integriert werden kann. Eine längere longitudinale Nachbeobachtung wird entscheidend sein, um die Nachhaltigkeit und klinische Relevanz zu klären.


Quellen:

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